Beuth-Studenten machen Schulhof grün: neue Perspektiven für Ernst-Schering-Schüler

Beuth-Professorin Ines Maria Rohlfing, Schüler Ahmad und der studentische Projektleiter Dominik Rose. (Foto: Dirk Jericho)
 
Alle gemeinsam: Beim Studentenprojekt Schulhofumgestaltung wollen immer mehr Schüler mitmachen. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Ernst-Schering-Schule |

Wedding. Landschaftsarchitekturstudenten planen einen Schulhof – die Schüler bauen mit: Diese Semesterarbeit ist nicht nur für die Projektmappe, sondern wird auch umgesetzt.

Und die Schüler der Ernst-Schering-Schule in der Lütticher Straße 47 entdecken ihren Berufswunsch.

Ahmad geht in die zehnte Klasse, doch in dieser Woche buddelt er gemeinsam mit 20 anderen Schülern – viele auch Flüchtlinge aus Willkommensklassen – auf der Schulhofbaustelle. Landschaftsgärtner will er werden, und wie es aussieht, wird er auch einen Ausbildungsplatz bekommen. Die Studenten der Beuth-Hochschule haben schon einen Betrieb gefunden, der Ahmad haben will. Durch das Projekt eröffnen sich für mehrere Schüler neue Perspektiven. An der Schering-Schule haben fast alle nichtdeutsche Wurzeln; eher schlechte Chancen auf Ausbildung und Job. Doch das ändert sich gerade.

Semesterarbeit praktisch umgesetzt

„Immer mehr wollen mitmachen und interessieren sich für den Beruf des Landschaftsgärtners“, sagt Dominik Rose. Der Student der Landschaftsarchitektur ist Bauleiter auf der Schulhofbaustelle und kann hier das machen, was später zu seinem Job gehört. Die Schulhofumgestaltung ist seine Semesterarbeit. Eine, die nicht nur im Seminarraum konzipiert und besprochen wird, sondern eine, die real umgesetzt wird.

Bautechnikprofessorin Ines Maria Rohlfing hatte den Kontakt zur Schule geknüpft. Sie hat das Ziel, dass ihre Studenten die Planungsideen auch real umsetzen. Meistens fehlt das Geld und die schönen Ideen bleiben nur auf dem Papier. „So viel Geld habe ich noch nie verbaut“, sagt die Professorin, die jeden Tag auf dem Schulhof mit anpackt. Die Studentengruppe hat es geschafft, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen. 36 000 Euro haben sie für den Schulhofumbau zusammenbekommen. Geld, das die Schule nicht hatte. Der gemeinnützige Träger Pfefferwerk Stadtkultur übernimmt den größten Brocken, kleinere Summen kommen aus Senatsprogrammen. Das Schulamt übernimmt die Kosten für die Kletterspinne, die als zentrales Element um die mächtige Kastanie gebaut wird. „Der Hof soll ein ruhiger Rückzugsort werden“, sagt Student Dominik Rose. Drei Entwürfe haben die Studenten erarbeitet. Die Schüler konnten sich einen aussuchen. Der war zwar mit 110 000 Euro nicht finanzierbar.

Sponsoren halfen

Aber die nun abgespeckte Variante macht trotzdem aus dem maroden Schulhof eine grüne Wohlfühloase mit Staudenbeeten, Grünflächen und schicken Sitzmöbeln aus Baumstümpfen. Ohne Sponsoren wäre das alles nicht möglich gewesen. Private Landschaftsbaufirmen wie die Firma Herold stellen umsonst Radlader, Bagger oder Stapler. Und die Arbeitsstunden der Studenten und Schüler müssen nicht bezahlt werden. Hier packen alle an. Der Verband der Landschaftsgärtner nutzt die zweiwöchige Bauphase, um in der Schule für den Beruf zu werben. Das Arbeitsamt ist auch an Bord und informiert über Einstiegsmöglichkeiten.

Am Ende des Beuth-Projektes haben die Schering-Schule einen grünen Schulhof und einige Schüler neue Berufsideen oder tatsächlich vermittelte Ausbildungsplätze. Es war nicht so, dass sich Schüler wie Ahmad für den freiwilligen Arbeitseinsatz gemeldet haben, um Mathe und Bio zu schwänzen. Im Gegenteil: Die Freistellung für den Hofumbau gab es nur, wenn die Schülerhelfer auch was für den Unterricht mitnehmen. Ahmad wird für Bio die Pflanzen beschreiben und für Mathe die Netzfläche der Kletterspinne berechnen. „Für das Fach Deutsch schreibe ich ein Gedicht“, so der 18-Jährige. DJ
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