Café auf Beton: Neugestaltung des Rathausplatzes kommt voran

Der neue Rathausplatz nimmt Gestalt an. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Rathausvorplatz |

Wedding. Nach ewigen Verzögerungen und Baustopp soll der vordere Bereich an der Müllerstraße im September fertig werden.

Sieht doch schon ganz gut aus. Der neue Rathausplatz nimmt langsam Gestalt an. Die Betreiberin des türkischen Cafés bewirtet ihre Gäste unter großen Schirmen, die in vorbereiteten Bodenhülsen auf dem Betonfußboden stecken. Ein bisschen wenig Grün vielleicht und zuviel Grau, aber ansonsten macht der vordere Rathausplatz einen ordentlichen Eindruck.

Der Bezirk lässt die gesamten Freiflächen rund um den Jobcenter-Turm (dem früheren Rathausneubau) zwischen Rathausaltbau und Schiller-Bibliothek sowie Genter Straße und Müllerstraße seit 2015 neu machen.

Nach Plänen der Architekten vom Büro ANNABAU, die bereits 2012 einen Freiraumwettbewerb für das Rathausumfeld gewonnen hatten, wird der Platz barrierefrei umgebaut, so dass es keine Stufen und Treppen mehr gibt. Alle Geländesprünge werden durch Schrägen angeglichen. Der ehemalige BVV-Saal, derzeit als Willkommenscenter für Flüchtlinge genutzt, schwebe dadurch wieder, sagt Karsten Scheffer, der das Bauprojekt im Sanierungsgebiet Müllerstraße koordiniert.

Auf dem gesamten Platz stehen in Bodenplatten eingearbeitete Namen der Städtepartner von Mitte - 17 Orte, von Bottrop und Kassel über Budapest, Istanbul, St. Petersburg bis hin zu Tokio. Früher waren die Städtepartner mit Richtungspfeilen an einem Masten vor den drei Bäumen angebracht.

Kosten sind gestiegen

Das Bauprojekt hatte sich immer wieder wegen Abstimmungsproblemen zwischen den beiden Grundstückseigentümern Bezirk und BIM verzögert. Die Kosten für die Platzsanierung sind von 2,8 Millionen Euro auf 4,3 Millionen Euro gestiegen. Der Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) gehören der Jobcenter-Turm und der ehemalige BVV-Saal sowie der vordere Platz. Die BIM ist gerade dabei, eine Platzordnung zu erlassen. Alle wollen, dass die neue Rundbank um die drei Pappeln nicht zum Treffpunkt für Alkoholiker wird. Auf dem privaten vorderen Teil des Leopoldplatzes hat die Nazarethkirchgemeinde ein Alkoholverbot erlassen. Im türkischen Café Simit Evi gibt es auch keinen Alkohol.

Im September beginnen die Bauarbeiten für die neuen Verbindungswege zwischen Genter Straße und Müllerstraße. Entlang des Rathausaltbaus auf der ehemaligen Limburger Straße wühlen die Bagger bereits. Hier soll eine breite Baumallee mit Skulpturengarten, Sitzbänken und Tischen mit Brettspielen entstehen.

Der ungenutzte Verbindungsgang zwischen Rathausaltbau und dem Elfgeschosser sollte eigentlich abgerissen werden; bleibt aber erstmal, weil kein Geld da ist. Vor der neuen Schillerbibliothek wird der sogenannte Bibliotheksboulevard gebaut, wie Scheffer sagt. Beide Wege sollen beleuchtet werden.

Der Clou ist ein Lesegarten mit einem Dutzend Sitzbänken und genauso vielen Leselampen zwischen Jobcenter und dem gläsernen Schillerbibliotheks-Neubau. Ob sich da später Biertrinker lümmeln, wird man sehen. Auf jeden Fall gibt es links und rechts des privaten BIM-Platzes kein Alkoholverbot. Auch auf dem Leopolpatz ist das Biertrinken im öffentlichen Grünstreifen neben dem Platz nicht untersagt.

Der einstige Parkplatz hinter dem früheren Rathausturm soll ab 2018 zu einem kleinen Park umgebaut werden. Das Großstadtfeeling mit Terrassen-Café auf einem belebten Platz ist schon bald wieder vorbei. „Der Mietvertrag mit den Betreibern endet im März“, weiß Karsten Scheffer. Der Bezirk, dem der Kneipenpavillon vor der Schiller-Bibliothek gehört, will das Gebäude sanieren. DJ
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