Haus der Gesundheit verschimmelt: Immer mehr Etagen werden gesperrt

Der fünfgeschossige Anbau aus den 1970er-Jahren ist marode und mit Schimmelsporen kontaminiert. (Foto: Dirk Jericho)
 
Eigentlich ganz schick: Foyer und Treppenhäuser in der Architektur der früher 1960er-Jahre. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Haus der Gesundheit |

Wedding. Das Haus der Gesundheit ist krank. Die Situation im maroden Haus an der Reinickendorfer Straße 60 wird immer dramatischer. Jetzt musste wegen gesundheitsgefährdendem Schimmelbefall eine weitere Etage gesperrt werden. Gesundheitsstadtrat Ephraim Gothe (SPD) sucht dringend Ersatzräume.

Familien kommen dorthin zur Einschulungsuntersuchung, Sehbehinderte und Krebskranke zu Beratungen, Kinder gehen zum Zahnarzt oder zur Gymnastik beim bezirklichen Kinder- und Jugendgesundheitsdienst. Doch das Haus der Gesundheit macht krank. Die Wände verschimmeln immer weiter; Wasser tröpfelt vermutlich über ein innenliegendes Dachabflussrohr in alle Etagen, wie Gesundheitsstadtrat Ephraim Gothe sagt. Wie die Berliner Woche bereits im März berichtete, musste die zweite Etage im fünfgeschossigen Anbau gesperrt werden, weil die Büros mit Schimmelsporen kontaminiert waren. Jetzt wurde auch die vierte Etage gesperrt. Bei Raumluftmessungen wurden Schimmelsporen wie der Schimmelpilz Aspergillus ochraceus nachgewiesen, der Krebs hervorrufen kann oder „nur“ allergische Atemwegserkrankungen oder Hautekzeme auslöst. Auch gemessen: die krankmachenden Schimmelpilze Cladosporium, Chaetomium und Stachybotrys Chartarum. Im Gesundheitsausschuss sprach Gothe von „katastrophalen Zuständen“. Auch im Erdgeschoss und in der ersten Etage – Bereiche mit Besucherverkehr wie die gesperrte zweite Etage – wurden auffällige Werte ermittelt. Gothe betont zwar, dass für Bürger keine Gefahr bestand, spricht aber von „Gefahr in Verzug“.

Die 15 Kollegen vom Sozialpsychiatrischen Dienst aus der gesperrten zweiten Etage sind seit Monaten nicht mehr im Haus der Gesundheit erreichbar. Sie mussten in Büros im Rathaus Tiergarten flüchten und sich dort den Platz mit anderen Angestellten teilen. Derzeit werden für die Mitarbeiter neue Räume vorbereitet, die das Bezirksamt im Westhafen bei der Behala angemietet hat. Für die weiteren 15 Mitarbeiter, die aus der gesperrten vierten Etage raus müssen, sucht Gothe gerade eine Lösung. Er sagt, dass durch die Schimmelprobleme die Beratungsleistungen zurückgegangenen sind. Die Eltern wollen keine Gespräche in Büros, in denen doppelt so viele Leute sitzen. Außerdem sei der Krankenstand gestiegen, weil „die Situation mehr Stress bedeutet“, so Gothe.

Das Bezirksamt hatte wegen der "Tropfsteinhöhle" im Februar beschlossen, auf dem angrenzenden Grundstück an der Ecke See- und Reinickendorfer Straße einen Neubau zu errichten. Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung hat im Oktober 2016 ergeben, dass es günstiger ist, ein komplett neues Gesundheitsamt zu bauen, als das marode Schimmelhaus zu sanieren. Wie Gothe im Ausschuss sagte, hat die Finanzverwaltung soeben den Neubau des Hauses der Gesundheit mit 19 Millionen Euro auf die überbezirkliche Investitionsliste gesetzt. Da jetzt erst die Pläne erarbeitet werden müssen und laut Gothe eine Fertigstellung des Neubaus „frühestens in sechs Jahren“ möglich ist, prüfen Experten, ob es sich rechnet, das alte Gebäude noch soweit zu ertüchtigen und vom Schimmel zu befreien, dass es bis zum Abriss durchhält. Eine andere Option wäre, das Haus komplett dicht zu machen und alle Mitarbeiter woanders unterzubringen. Da das Bezirksamt keine Räume hat, müssten Büros angemietet werden. In einem Krisengespräch hat Gothe mit dem für Immobilien zuständigen Stadtrat Carsten Spallek (CDU) am 12. Juli aktuelle Optionen diskutiert. Einen Lösungsvorschlag wollte Gothe dem Bezirksamt auf der Sitzung am 18. Juli (nach Redaktionsschluss) vorschlagen. Naheliegend ist, weitere Büroeinheiten im TLG-Bürohaus am Kurt-Schumacher-Platz anzumieten. In das Bürohaus sind bereits 37 Jugendamts-Mitarbeiter des Regionalen Sozialpädagogischen Dienstes und der bezirklichen Erziehungs- und Familienberatungsstelle gezogen. Sie mussten ihre Räume im Haus der Jugend am Nauener Platz verlassen, weil es vom Dach bis zum Keller saniert wird.

Nach dem Abriss des maroden Hauses der Gesundheit wird auf dem Areal auch eine vierzügige Grundschule gebaut. Wo genau das neue Haus der Gesundheit, die Schule und das Schulumweltzentrum auf dem Grundstück zwischen Iranischer Straße, Seestraße und Reinickendorfer stehen sollen, wird in einem Blockkonzept ausgelotet. Das Bezirksamt hat dazu eine Ausschreibung gestartet. DJ
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.