Mauerpark-Pläne liegen aus: Neuer Versuch für umstrittenes Wohngebiet

Anwohner protestieren gegen das geplante Wohnviertel nördlich der Gleimbrücke, wie hier auf der Infoveranstaltung am 20. Januar in der Ernst-Reuter-Oberschule. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Bis zum 16. März können Bürger ihre Stellungnahmen und Einwendungen zum Entwurf des Bebauungsplans 1-64a VE abgeben. Anwohnerinitiativen wollen das Wohnviertel nördlich der Gleimstraße jedoch verhindern.

Drei dicke Leitzordner mit Hunderten Seiten Planungsdetails, Stellungnahmen und Gutachten - das Bezirksamt startet den zweiten Versuch, einen B-Plan für die bisherigen Gewerbeflächen westlich des Mauerparks festzusetzen. 2011 war ein erster Versuch gescheitert. 2649 Einwände gingen damals beim Stadtplanungsamt ein. Das Verfahren wurde wegen der Proteste schließlich abgebrochen.

Seitdem wird weiter um einen Kompromiss gestritten, um die ehemaligen Bahnflächen auf Weddinger Seite zu gestalten. Jetzt soll lediglich das 3,7 Hektar große Areal nördlich der Gleimbrücke neben der Jugendfarm Moritzhof bebaut werden. Die Groth Gruppe als Investor will hier 490 Miet- und Eigentumswohnungen, 219 Studentenapartments und eine Kita mit 80 Plätzen errichten. Im sogenannten Mauerparkvertrag hatten sich 2012 der Senat und der damalige Grundstückseigentümer der früheren Bahnflächen, die österreichische Immobilienfirma CA Immo, auf folgendes Tauschgeschäft geeinigt: Berlin bekommt fünf Hektar Fläche zur Mauerparkerweiterung auf Weddinger Seite südlich des Gleimtunnels, wenn im Norden gebaut werden darf. Außerdem bleiben die zwei Hektar an der Bernauer Straße für die bisherige Nutzung als Flohmarkt und Biergarten erhalten. Bauunternehmer Klaus Groth hatte kurz danach das Filetgrundstück von der CA Immo gekauft.

Sollte die Bezirksverordnetenversammlung wieder keinen Bebauungsplan beschließen und es kein Baurecht für das Wohnviertel geben, wird der gesamte Deal rückabgewickelt. Thomas Groth hatte auf einer Bürgerversammlung am 20. Januar angekündigt, im Falle des Scheiterns alle Flächen einzuzäunen und weiterhin an Gewerbebetriebe zu vermieten. Die geplanten sieben Hektar Grünfläche zwischen Gleimbrücke und Bernauer Straße wird es dann auf lange Sicht nicht geben.

Anwohnerinitiativen sind jedoch gegen das Wohngebiet mit über 1000 neuen Bewohnern am quirligen Mauerpark. Sie befürchten, dass vor allem die Besitzer der 196 Eigentumswohnungen sich am Trubel stören könnten und gegen den nur 40 Meter entfernten Kinderbauernhof vorgehen. In den detaillierten Ausführungen zum ausgelegten B-Plan-Entwurf finden sich auch dazu lange Abhandlungen. Kinderlärm und Tiergerüche wurden untersucht und in Gutachten keine Überschreitungen festgestellt.

Die Mauerpark-Allianz, ein Bündnis von Anwohnerinitiativen, mobilisiert seit Monaten gegen die Bebauungspläne. Ein angekündigtes Bürgerbegehren gegen das Wohnviertel wurde noch nicht beantragt. Es gibt auch etliche Weddinger, die mit dem Kompromiss leben können und wollen, dass die Flächen zur Mauerparkerweiterung gestaltet werden.

Die Unterlagen zum Bebauungsplan 1-64a VE (Wohngebiet am Mauerpark) können bis 16. März im Stadtplanungsamt, Müllerstraße 146, Zimmer 168, eingesehen werden: Mo bis Mi 8-16 Uhr, Do 9-18 Uhr, Fr 8-14 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung, 901 84 58 40. Wer die zahlreichen Dokumente in Ruhe zu Hause studieren möchte, findet sie im Internet unter http://asurl.de/12fu. Nächste Infoveranstaltung am 11. März 18 Uhr im Rathaus Mitte, Karl-Marx-Allee 31.

Dirk Jericho / DJ
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1 Kommentar
Dirk Jericho aus Mitte | 18.02.2015 | 15:25  
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