Zukunftswerkstatt oder Elitenschmiede? Vor- und Nachteile privater Hochschulen

Die Hertie School of Governance ist eine der teuersten privaten Hochschulen der Stadt. Absolventen winken zum Beispiel Jobs bei der Weltbank oder der Europäischen Kommission. (Foto: JoM)
 
Die Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kommunikation ist den Unternehmen ganz nah. (Foto: JoM)

Noch haftet privaten Hochschulen der Ruf an, elitär zu sein, weil sich nicht jeder die Studiengebühren leisten kann. Das greift zu kurz. Was Studieninteressenten in der Hauptstadt der privaten Unis wissen sollten.

Als bekannt wurde, dass Berlin eine Hochschule für Programmierer bekommt, machte das 2017 Schlagzeilen: „Berlins neue Startup-Fabrik“ titelte der Tagesspiegel, „Studium mit Zukunft“ die Morgenpost. Die private Code University, an der Studenten lernen, wie sie Apps programmieren und ein Startup aufbauen, bekam enormen Zuspruch aus der Wirtschaft. Es entstand Hoffnung auf kreative IT-Fachkräfte.

Doch was die einen als Hort der Innovation loben, sehen andere kritisch. Auf dem Studentenportal studis-online.de ist eine Diskussion über die Vor- und Nachteile der Code University ausgebrochen. Warum man sich als Abiturient aus armer Familie eine teure neue Privathochschule ohne Erfahrungswerte aussuchen sollte, fragt ein Nutzer. Ein anderer gibt „dem Mist fünf Jahre“ Überlebenszeit. Doch es wird auch gelobt, dass Absolventen der Studiengänge Projekte mit namenhaften Kooperationspartnern wie Porsche oder Facebook vorweisen können.

Inwieweit sind Privatunis eine Alternative zu staatlichen? Und was ist bei der Entscheidung zwischen beiden Modellen zu bedenken?

Im letzten Jahrzehnt haben private Hochschulen besonders in Berlin einen Boom erlebt. Studierten im Wintersemester 2005 laut Statistischem Bundesamt nur rund 2500 Menschen an einer Berliner Privathochschule, so waren es 2016 bereits rund 20 000.

Das liegt auch an der hohen Dichte dieser Einrichtungen. Knapp ein Viertel der privaten Hochschulen in ganz Deutschland haben sich in Berlin niedergelassen. Als Sitz vieler internationaler Firmen und wichtiger Institutionen bietet die Stadt ein ideales Umfeld für die stark am Arbeitsmarkt orientierten Bildungsstätten.

Überdies passt das Image: Oft sind private Hochschulen Experimentierfelder. Dem Problem, dass Studenten oft viel zu theoretisch unterrichtet werden, begegnen sie mit neuen Formen der Studienorganisation. An der European School of Management and Technology sind zum Beispiel für Masterstudenten bis zu elf Monate für Praktika in der Wirtschaft eingeplant. Gleich zwei Abschlüsse erwerben die Absolventen eines dualen Studienganges an der Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft. Sie kombinieren in acht Semestern eine IHK-Ausbildung mit einem Studium. Sich frühzeitig vor potenziellen Arbeitgebern zu profilieren, ist an privaten Unis ein zentrales Studienziel. Das ist viel Wert.

Ein großer Haken ist allerdings ihre Finanzierung. Zwar kann für private Hochschulen das Bundesausbildungsförderungsgesetz (BAföG) gelten, wenn sie ihre Qualität staatlich zertifizieren lassen. Das BAföG ist aber nur für den Lebensunterhalt während des Studiums ausgelegt und deckt Studiengebühren von mehreren hundert Euro pro Monat nicht ab.

Auch ein Nebenjob schafft hier oft keine Abhilfe. Denn dieser darf 450 Euro monatlich nicht übersteigen, sonst wird das BAföG gekürzt. Und für die Gebühren der meisten Hochschulen reicht dieses Geld nicht aus. An der Macromedia Fachhochschule etwa werden für einen Bachelor monatlich 880 Euro fällig, 580 Euro kostet ein Bachelor an der Hochschule für Wirtschaft, Technik und Kultur, stolze 1300 Euro zahlen Studenten für einen Politikmaster an der renommierten Hertie School of Governance. Wer finanziell nicht weich gebettet ist, dem bleibt, wenn er sich für eine private Hochschule entscheidet, oft nur ein Bildungskredit zusätzlich zum BAföG – oder mit Glück ein Stipendium. Diverse Hochschulen bieten auch an, die Gebühren während des Studiums nur teilweise zu zahlen und mit dem ersten Job dann den Rest. Doch das bedeutet Schulden machen.

Alles nur Kaderschmieden für reiche Eliten also? Mitnichten. Während staatliche Hochschulen mit dem Numerus clausus Anwärter mit mäßigen Noten aussieben, setzen private häufig auf andere Kriterien als Noten. Assessment-Center und Eignungsgespräche sind hier die Regel. So haben auch Abiturienten eine Chance, die von Hause aus kaum Möglichkeiten hatten, schulisch auf ein Topniveau zu kommen, sprich, Bildungsaufsteiger. Das ist ein wichtiger Punkt, denn wie die Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerkes 2017 gezeigt hat, sind junge Menschen aus weniger gebildeten Familien durch das klassische Hochschulsystem immer noch benachteiligt. Für manche sind Schulden vielleicht eine Option, wenn sie die Möglichkeit eines Universitätsabschlusses anders gar nicht hätten.

Ein Risiko tragen die Studenten privater Hochschulen allerdings immer: Da die Einrichtungen nicht staatlich gefördert werden, können sie wie jedes Wirtschaftsunternehmen pleitegehen. So geschehen erst kürzlich, im Oktober 2017. Damals schloss die Modeschule Esmod aufgrund sinkender Studentenzahlen ihre Tore. Die Lehre, deren finanzielle Basis Studiengebühren waren, konnte nicht mehr fortgeführt werden. Von der Schließung erfuhren die Studenten erst wenige Tage zuvor.
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