Kolumbarienhalle in der Gerichtstraße: Metalldiebe klauen Urnen

Der Bezirk möchte die Kolumbarienhallen mit Videotechnik überwachen, um Urnendiebe abzuschrecken. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Urnenfriedhof Gerichtstraße |

Wedding. Makaber: Auf dem Urnenfriedhof in der Gerichtstraße sind am 13. April insgesamt 14 Urnen aus der Kolumbarienhalle neben dem früheren Krematorium Wedding gestohlen worden. Das zuständige Grünflächenamt fordert eine Videoüberwachung.

Eine Besucherin wollte am 13. April nachmittags frische Blumen in die Nische legen, wo die Urne des Verstorbenen steht. Schmerzhaft war der Moment, als die Frau vor dem Fach stand: Die gravierte Schmuckurne mit dem Namen des Toten war weg; im Regal stand nur noch die Kapsel mit der Asche. Zum Glück haben die Diebe den Trauernden wenigstens die sterblichen Überreste gelassen. Die alarmierte Polizei hat insgesamt 14 Überurnen gezählt, die am helllichten Tag gestohlen wurden. Das Kolumbarium war wegen der Ermittlungen am Folgetag „aus technischen Gründen“ geschlossen, wie handschriftlich auf einem Zettel stand. Die Polizei ermittelt wegen Diebstahl und Störung der Totenruhe, sagte eine Sprecherin.

Nicht der erste Diebstahl

Der Urnendiebstahl ist bereits der zweite auf dem Friedhof. Bereits kurz nach Eröffnung der neuen Kolumbarienhalle 2011 wurden fünf Schmuckurnen gestohlen. Insgesamt stehen in den zwei Kolumbarienhallen rund 400 Urnen. Die künstlerischen Gefäße sind meist aus wertvollem Buntmetall wie Bronze-, Kupfer- oder Messinglegierungen. Die Diebe haben es wohl darauf abgesehen. Buntmetall bringt auf dem Metallmarkt gutes Geld. Wie beim Diebstahl vor fünf Jahren wurden ausschließlich Metallurnen gestohlen; Gefäße aus Marmor oder Porzellan blieben verschont.

Der für die Friedhofsverwaltung zuständige Stadtrat Carsten Spallek (CDU) wollte 2012 auf dem Urnenfriedhof Überwachungstechnik installieren, um Diebe abzuschrecken. Die Kameras sollten die Eingänge filmen; die Daten würden wie bei der Videoüberwachung von U-Bahnhöfen nach 48 Stunden überschrieben. Doch Berlins Beauftragter für Datenschutz erlaubte die Kameras nicht. Grund sei gewesen, dass das Bezirksamt unzulässigerweise mit den Videokameras die Mitarbeiter beobachten könne, sagt der Chef des Straßen- und Grünflächenamtes, Harald Büttner. „Unerträglich“ findet Büttner das. Die Videoüberwachung sei notwendig. „Wir stellen die Kameras auch so ein, dass nur die Eingänge gefilmt werden“, so Büttner.

Videoüberwachung gefordert

Er will das Thema nach dem jüngsten Urnenklau erneut anschieben und fordert die beantragte Sicherheitstechnik. Spallek hatte immer betont, dass der Bezirk dafür verantwortlich sei, dass die Urnen ordentlich und sicher untergebracht sind. Derzeit gibt es lediglich eine Alarmanlage, die beim zuständigen Wachschutz aufgeschaltet ist. Bricht jemand die Tür auf, bimmelt es bei der Sicherheitsfirma. Die Mitarbeiter schalten die Anlage nachts scharf, wenn sie die Kolumbarienhalle abschließen. Doch die Täter sind am Tage gekommen, als alle Türen offen waren. DJ
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