Drogen und Alkohol: Probleme auf dem Leopoldplatz wieder da

Die Diskussionen über ein Alkoholverbot auf dem Leopolplatz gehen wieder von vorne los. (Foto: Dirk Jericho)
 
Stadtrat Carsten Spallek (CDU) und Ströer-Niederlassungsleiter Frank Geßner 2013 bei der Eröffnung des WCs auf dem Leopoldplatz. Seit Wochen ist es zu. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Leopoldplatz |

Wedding. Die Zustände auf dem Leopoldplatz haben sich wieder verschlechtert. Der Bezirk denkt über ein Alkoholverbot nach. Das gab es vor ein paar Jahren schon einmal.

Alles wieder beim Alten? Nach jahrelangen Versuchen, die Trinkerszene in den Griff zu bekommen und den Leopoldplatz zu einem Wohlfühlort für alle zu machen, gehen jetzt die Debatten wieder los. Alkoholiker hängen auf dem Platz rum, vor dem Rathaus, vor dem Burger King am Leo-Center. Grund dafür ist auch, dass Junkies die Trinkerszene verdrängt haben. Von dem Ort, der extra mit viel Aufwand für die „Szene“ auf dem mittleren Leopoldplatz hinter der Nazarethkirche errichtet wurde. „Die Probleme haben zugenommen“, sagt Thorsten Haas vom bezirklichen Präventionsrat. Auf dem sogenannten Trinkertreff - ein überdachter Bereich mit Bänken - ist kaum noch jemand. Das moderne Toilettenhäuschen, das die Werbefirma Ströer 2013 auf Wunsch des Bezirkes neben dem „Aufenthaltsbereich für die lokale Trinkerszene“, wie die Planer den Trinkertreff an der Schulstraße Ecke Turiner Straße nennen, eröffnet hat, ist seit den Herbstferien verschlossen. Drogenjunkies haben das Hightech-WC missbraucht, um gruppenweise darin Heroin von Folien zu rauchen. Weil das Leo-Klo permanent verdreckt wurde und die Junkies sogar die Tür ausgehängt haben, wie Thorsten Haas berichtet, hat Ströer-Niederlassungsleiter Frank Geßner das Haus sicher verschlossen. „Die eigentliche Klientel wurde von der Dealer-Szene verdrängt“, sagt Geßner. Die Polizei, die deshalb verstärkt Razzien macht, hat ebenfalls dazu beigetragen, dass die Trinker nicht mehr zu ihrem „Affenkäfig“, wie manche den Aufenthaltsbereich nannten, wollen.

Die CDU-Fraktion beantragt auf der kommenden BVV-Sitzung ein „Alkoholverbot am Leopoldplatz“. Der neue Bürgermeister der Grünen, Stephan von Dassel, ist nicht abgeneigt. „Das könnte ein Instrument sein, die Lage auf dem Leopoldplatz zu verbessern“, sagt er. Wann, wo und wie müsse alles erst diskutiert werden. „Da darf es keine Denkverbote geben“, so von Dassel. Weil die Probleme auf dem Leopoldplatz sehr komplex sind, wünscht er sich, dass die Bezirksverordneten das Thema erst einmal in den BVV-Ausschüssen beraten. Eine Lösung muss her, „sonst droht uns das Problem zu entgleiten“, sagt der Bürgermeister.

Auf dem Leopoldplatz hatte der Bezirk bereits 2009 ein Alkoholverbot erlassen. Es wurde ein Jahr später wieder aufgehoben, weil die Kein-Alkohol-Regel nichts gebracht hatte. „Das Alkoholverbot hilft hier weder dem Platz noch den Menschen", hatte der damalige und jetzt wieder zuständige Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) 2010 gesagt. Die problematischen Gruppen sollten nicht verdrängt, sondern betreut werden. Im Ergebnis jahrelanger Diskussionen wurde schließlich der Trinkertreff mit dem fast kostenlosen WC (zehn Cent) eröffnet. Sozialarbeiter vom Verein Fixpunkt kümmern sich seit Januar um die Problemfälle auf dem Platz.

Um die Situation in den Griff zu bekommen, war der Leopoldplatz umfangreich saniert worden. Das alkoholfreie Café Leo an der Müllerstraße ist wichtiger Bestandteil der Imageoffensive. Betreiber Hüseyin Ünlü hat dafür gesorgt, dass sich wieder Familien auf den Platz trauen. Jetzt geht der Ärger von vorne los. DJ
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