Geschäftsleute wollen mitbestimmen: Proteste zur umstrittenen Straßenumbenennung im Afrikanischen Viertel

Karina Filusch und Johann Ganz haben jetzt einen sogenannten Weddinger Kreis „Hans Peters bleibt!“ gegründet. (Foto: privat)
 
Veilchen für Hans Peters. (Foto: privat)

Wedding. Das Verfahren zur Umbenennung von drei Straßen im Afrikanischen Viertel wurde nach heftigen Protesten vorerst gestoppt. Auch die Geschäftsleute der betroffenen Straßen fordern jetzt ein Mitbestimmungsrecht.

Sie haben sich zusammengetan und „protestieren auf das Schärfste gegen den Kommunikationsmangel und die Verfahrensweise bei dem geheimen Straßenumbenennungsprozess!“, heißt es im Protestbrief, den 24 Geschäftsleute und Gewerbetreibende aus den betroffenen Straßen unterzeichnet haben. Sie fordern eine „direkte Teilnahme und Mitbestimmung in der Jury“.

Wie berichtet, hatte der Kulturausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) am 14. Juni beschlossen, das laufende Umbenennungsverfahren zu stoppen und neu aufzurollen. Statt weiter über die sechs Namensvorschläge zu beraten, die eine von Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne) berufene Jury nach mehreren geheimen Sitzungen am 31. Mai präsentiert hatte, erklärte der Ausschuss das Jury-Verfahren für beendet. Das Bezirksamt soll nun „Vorschläge für ein transparentes und wissenschaftlich fundiertes Verfahren zur Entscheidung über Straßen- und Platzbenennung im Afrikanischen Viertel vorlegen“.

Im Vorfeld war vor allem von der Anwohnerinitiative Pro Afrikanisches Viertel (IPAV), die gegen die Straßenumbenennungen ist, das intransparente Verfahren kritisiert worden. Die Sprecher der Initiative, Karina Filusch und Johann Ganz, haben nun einen sogenannten Weddinger Kreis „Hans Peters bleibt!“ gegründet. Denn die Petersallee, die Weißler ebenfalls umbenennen will, ehrt seit 1986 den NS-Widerstandskämpfer und CDU-Politiker Hans Peters. Die ursprünglich 1939 nach dem brutalen Kolonialpolitiker und Unternehmer Carl Peters benannte Straße wurde vor 30 Jahren auf Drängen der Anwohner umgewidmet. Sabine Weißler will die Straße trotzdem umbenennen, weil die Leute die Petersallee mit dem "bösen Peters" in Verbindung bringen würden, wie sie behauptet. „Die Entfernung des Widerstandskämpfers gegen die Nationalsozialisten aus dem Straßennamen-Verzeichnis des Afrikanischen Viertels erinnert in übler Weise an die vom NS-Regime und anderen Diktaturen ausgeübte Praxis der Ausbürgerung“, sagt Johann Ganz, IPAV-Sprecher und Mitbegründer des Weddinger Kreises „Hans Peters bleibt!“ Die Bürger des Afrikanischen Viertels würden diesen Umgang mit ehrenwerten Personen der Zeitgeschichte nicht widerspruchslos hinnehmen, heißt es. Ganz kündigte weitere „phantasievolle und kreative Aktionen“ an.

Wie es genau weitergeht mit der Umbenennung, ist derzeit unklar. Kulturstadträtin Sabine Weißler hatte am 14. Juni erklärt, „in den nächsten Tagen“ das geheim gelaufene und jetzt gestoppte Auswahlverfahren auf die Bezirkswebsite des Fachbereichs Geschichte zu stellen. Dort sollten auch die aussortierten 190 Namen veröffentlicht werden. Alle Bürgervorschläge sollen schließlich Grundlage für das weitere Verfahren sein. Bis Redaktionsschluss war auch drei Wochen nach Weißlers Ankündigung auf der Bezirkswebsite nichts zum Juryergebnis und dem bisher gelaufenen Verfahren online. DJ
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