Wieder nur ein Imbiss-Kiosk: Bezirk schreibt Café Leo neu aus

Drei Imbisse. Hinter dem Bistrogebäude am U-Bahneingang gibt es seit einem Jahr auch einen Imbisswagen. Das Cafe Leo steht auf der gegenüberliegenden Seite. (Foto: Dirk Jericho)
 
Seit knapp fünf Jahre gibt es das Cafe Leo von Betreiber Hüseyin Ünlü. Jetzt schreibt es der Bezirk neu aus. (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Leopoldplatz |

Wedding. Das Straßen- und Grünflächenamt (SGA) hat überraschend eine „Kleingastronomie auf dem Leopoldplatz“ ausgeschrieben. Interessenten können bis zum 22. Januar die detaillierten Unterlagen anfordern.

Hüseyin Ünlü, der seit 2011 den bei den Leuten sehr beliebten alkoholfreien Imbisswagen Cafe Leo betreibt, hat durch Zufall von der Zeitungsannonce des Bezirksamtes erfahren, die am 9. Januar erschienen ist. „Ich bin schockiert“, so der Begründer des Runden Tisches und Initiator des sozialen Treffpunktes Cafe Leo. Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) hatte nach Protesten von Anwohnern und Politikern die Sondergenehmigung für Ünlüs Cafe-Wagen letztes Jahr noch einmal bis Ende Mai verlängert. Wie der Stadtrat damals betonte, solle nach einem „mit den anderen Akteuren wie zum Beispiel der Kirchgemeinde abgestimmten Gesamtkonzept“ ein Interessenbekundungsverfahren für eine dauerhafte Gastronomie gestartet werden. Im Rahmen des Sanierungskonzeptes und der Imageoffensive für den Leopoldplatz war immer ein richtiges Café an der Müllerstraße geplant. Gebaut wurde es aber nie.

Über die jetzige Ausschreibung ist nicht nur der Cafe-Leo-Betreiber verwundert, sondern auch die Nazarethkirchengemeinde. Wie Pfarrerin Judith Brock sagte, sei die Kirche nicht informiert worden. Von einem abgestimmten Gesamtkonzept kann also keine Rede sein. Auch andere Akteure wie die Stadtteilvertretung „mensch.müller“ wurden nicht in die Planungen einbezogen. Die Kirche hat zudem vor einem Jahr einen Teil ihrer Platzfläche direkt gegenüber dem Cafe Leo an einen anderen Imbissbetreiber vermietet. Der Wagen mit Zelt im Winter soll laut Brock auch zukünftig bleiben. Das bezirkliche Cafe, das nun neu ausgeschrieben wurde, soll exakt an der Stelle in der bezirklichen Grünanlage stehen, wo jetzt das Cafe Leo ist. Der gepflasterte Platz gehört der Kirchengemeinde.

Anders als angekündigt will der Bezirk keine dauerhafte Lösung, sondern sucht jetzt private Betreiber für eine „temporäre Gastronomie mit Ganzjahresnutzung.“ Für den „Wagen/Container“, der für „zwei Jahre plus zwei Jahre optional“ genehmigt werden soll, gibt es klare Vorgaben. So ist ein „günstiges und alkoholfreies Angebot mit täglichen und möglichst ganzjährigen Öffnungszeiten (mindestens 10 bis 20 Uhr)“ gefordert. Das Nutzungs- und Betreiberkonzept müsse auch soziale Aspekten im Umfeld des Cafés berücksichtigen, heißt es in der Ausschreibung. Alkohol ist verboten. Ziel sei eine „soziale Kontrolle des Platzes durch Frequenz und soziale Funktion als Kommunikations- und Erholungsort.“ Hüseyin Ünlü will sich ebenfalls bewerben. Laut Harald Büttner, Chef des Straßen- und Grünflächenamtes, waren alle Beteiligten über die Ausschreibung informiert. Zudem könne das neue Cafe Leo nur temporär genehmigt werden. „Ansonsten müsste man die Grünfläche entwidmen“, so Büttner.

Am 19. Januar um 19 Uhr tagt der Runde Tisch Leopoldplatz in einer öffentlichen Sondersitzung in der Volkshochschule Wedding (Antonstraße 37, Zimmer 301). Einziger Tagesordnungspunkt: Das Cafe Leo. Bürgermeister Christian Hanke (SPD) wird auch erwartet.

Das Thema beschäftigt erneut die Bezirksverordnetenversammlung. Die Grünen haben etliche Fragen an Carsten Spallek. „Cafe Leo über den Jordan oder bald im Gelobten Land? Ausschreibung eines Interessenbekundungsverfahrens als krönendes Ergebnis von sechs Jahren propagierter Zusammenarbeit auf Augenhöhe der Bezirksverwaltung mit den Anwohnern?“ lautet die Überschrift über Frank Bertermanns Fragenkatalog. DJ
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