Charité eröffnet Intensivstation der Zukunft

Warme Brauntöne, Lichthimmel und versteckte medizinische Geräte. So sieht das neue Intensivzimmer aus. (Foto: Charité)

Wedding. Intensivmediziner, Psychologen und Schlafforscher wollen mit dem neuen Intensivzimmer herausfinden, ob die angenehme Raumatmosphäre die Heilung beschleunigt.

Es ist wohl für jeden der Albtraum, irgendwann auf der Intensivstation zu landen und an lebenserhaltenden Maschinen zu hängen. Sterile Räume und piepsende Geräte mit für Patienten unverständlichen Daten und Kurven auf dem Monitor machen Angst und erzeugen ein Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefertseins. Die Charité hat jetzt am Campus Virchow-Klinikum eine weltweit einmalige Intensivstation eröffnet. Zwei Zimmer mit je zwei Betten wurden in dem Pilotprojekt gemeinsam mit dem Architekturbüro Graft und den Mediengestaltern von Art+Com als Wohlfühlzimmer gestaltet. Alles, was die Patienten verängstigen könnte, gerät in den Hintergrund. Um den Genesungsprozess zu unterstützen, soll eine möglichst hohe Privatsphäre geschaffen werden.

"Die Bedürfnisse des Patienten und sein Erleben stehen im Fokus", sagt der Ärztliche Direktor der Charité, Professor Ulrich Frei. So verschwinden die Überwachungsmaschinen hinter vertäfelten Wänden. Kein Piepen mehr, keine flackernden Bildschirme. Das gesamte Zimmer ist statt grellem Krankenhausweiß in warmen Brauntönen gehalten. Raumteiler sorgen für eine Privatsphäre.

Die Decke über den Betten ist ein riesiger Medienscreen, auf dem der Sonnenaufgang simuliert oder nachts ein Sternenhimmel eingeblendet werden kann. Die Lichtdecke, wie die Experten den künstlichen Himmel nennen, lässt sich in Intensität und Lichtttemperatur individuell steuern. Dadurch soll der natürliche Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützt werden, den Intensivpatienten durch lange Schlafphasen schnell verlieren. Es ist auch möglich, den Lichthimmel oder Medienscreen per iPad zu steuern und zum Beispiel SMS-Nachrichten zu verschicken oder sich mit Spielen die Zeit zu vertreiben, sofern das den Bettlägrigen gesundheitlich möglich ist.

"Damit kommen wir einer Intensivstation, die Patienten trotz Organunterstützung nicht hilflos macht, immer näher. Diese Zimmer sind ein Meilenstein in der Intensivmedizin", sagt Professor Claudia Spies, Chefin des Charité-Centrums für Anästhesiologie, OP-Management und Intensivmedizin. Sie leitet das Projekt "Parametrische (T)Raumgestaltung" an der Charité, das vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert wird.

In 18 Monaten wollen die Mediziner und Psychologen Bilanz ziehen, welchen Effekt das Zimmer auf den Heilverlauf hat. Die zwei besonderen Intensivzimmer, für die es bereits in der Planungsphase im Januar 2013 den ersten Preis beim Wettbewerb "Design & Gesundheit" gab, sind seit Oktober belegt. Sie bieten den Patienten beste Voraussetzungen, schnell wieder gesund zu werden.


Dirk Jericho / DJ
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