Ex-Baustadtrat hat Angst, dass Müllerhalle zu düster wird

Wedding. Die alte Müllerhalle ist weg, die Bagger für den Neubau kommen frühestens im Februar. Derweil gibt es Streit um die Fassade.

Eigentlich sollte es nach dem Abriss von Weddings einziger Markthalle im Oktober mit dem Bau der neuen Müllerhalle in der Müllerstraße 123-125 losgehen. Doch derzeit passiert gar nichts. Grund für die Zwangspause sind grundbuchrechtliche Formalien. Für einen angekauften Teilbereich des Baugrundstücks muss im Katasteramt noch ein Grundbuch angelegt werden. "Wir wollen nun Anfang des Jahres starten", zeigt sich Projektleiter Agilolf Bachner von der Firma Merz Objektbau aus Aalen zuversichtlich, dass die Umschreibung bald erledigt ist. Solange das zweigeschossiges Gebäude mit Kaufland als Hauptmieter nicht steht, sieht Baustaatssekretär Ephraim Gothe (SPD) die Chance, noch auf die Fassadengestaltung einzuwirken. Er hatte als früherer Baustadtrat von Mitte das Müllerhallen-Projekt genehmigt und hat jetzt Angst, dass der Neubau mit seiner anthrazitfarbenen Klinkerfassade "die Müllerstraße düster macht", so Gothe.

Grund für seine Sorgen sind aktuelle Diskussionen über ein Bürohaus am Garbátyplatz in Pankow. Dort hat der gleiche Investor, der Architekt Volker Merz, ein dreigeschossiges Einzelhandels- und Ärztezentrum gebaut, das heftig wegen seiner dunkelgrauen Fassade kritisiert wird. Gothe hat sogar, obwohl gar nicht mehr zuständig, aufgrund der Diskussionen in Pankow den Investor angerufen, ihm E-Mails geschickt und ihn gebeten, "für die Müllerhalle einen dezenten Klinker zu finden". Ihn wurmt im Nachhinein auch das Motel One Hotel am Spittelmarkt, das er seinerzeit als Baustadtrat genehmigt hat. "Der Klinker ist viel zu dunkel", sagt Gothe und hofft, ähnlich Schlimmes in der Weddinger Müllerstraße noch verhindern zu können.

Agilolf Bachner kann die Diskussion nicht nachvollziehen. Wegen der Bedeutung für die Müllerstraße wurden die Entwürfe der neuen Müllerhalle sogar mit Experten im Baukollegium von Senatsbaudirektorin Regula Lüscher diskutiert. Die neue Müllerhalle gilt als Startschuss für die Aufwertung der zur Billigmeile verkommenen Müllerstraße. "Über die Fassade wurde sehr detailliert gesprochen", so Bachner. "Das Baukollegium hatte eine dunkle Klinkerfassade empfohlen", sagt der Projektleiter. So sei der Neubau schließlich auch genehmigt worden. "Ob mausgrau oder elefantengrau, wir denken, es wird ein sehr schönes Gebäude", so Bachner. Er zeigte sich prinzipiell gesprächsbereit, eventuell noch etwas am Farbton zu ändern, "zum Beispiel über Tekturen". Die aktuellen Architektenbilder der Halle wirken jedoch gar nicht düster. "Das sind natürlich immer nur Visualisierungen", räumt Bachner ein, "aber sie treffen den späteren Farbton schon ganz gut."


Dirk Jericho / DJ
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