Festveranstalter und Kiezaktive finden nicht zusammen

Klamotten, Chinapfannen, Rummel. Für Kritiker ist das Müllerstraßenfest nur eine Billig- und Ramschmeile. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Vom 28. bis 30. September findet das Müllerstraßenfest statt. Das Geschäftsstraßenmanagement meckert. 120 Buden zwischen Leopoldplatz und Seestraße, mit Schuhen, Lederwaren und Textilien, etliche Imbissstände, mehrere Karussells und eine Bühne mit Partymusik an der Utrechter Straße: Am Wochenende feiert die Müllerstraße, und wieder gibt es Knatsch um die vermeintliche Ramsch- und Billigmeile.

"Die Gewerbetreibenden kriegen die Buden vor die Tür gesetzt, haben nur Dreck und Nachteile", sagt der vom Bezirk beauftragte Geschäftsstraßenmanager Winfried Pichierri. Er wusste bis letzte Woche nicht einmal, wer das Fest macht, sagte er. "Niemand hat uns angesprochen. Keiner weiß, was geplant ist", ärgert sich Pichierri. Nach Zeitungsartikeln über den erneuten Straßenfestknatsch im Juli sei man davon ausgegangen, dass das "Geschäftsstraßenmanagement oder die Stadtteilvertretung Kontakt mit uns aufnehmen", sagt hingegen Bernhard Schaffeld vom Veranstalter arrangeEvent. "Aber alle Beteiligten verstecken sich in ihrem Schneckenhaus", so der Firmenchef. Er räumt ein, seinerseits ebenfalls nicht auf die Stadtteilinitiativen zugegangen zu sein. Dies hatte arrangeEvent jedoch in einer E-mail an Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) im März zugesagt.

"Eine einfache Recherche im Internet hätte jeden Interessierten auf unsere Webseite gebracht", so Schaffeld, für den das "Schweigen des Geschäftsstraßenmanagements und der Stadtteilvertretung unverständlich ist". Die meisten Weddinger würden das Fest wollen. Ein Mitarbeiter habe letzte Woche in allen Geschäften Infoflyer zum Fest verteilt. "Es gab keinerlei negative Äußerungen der Gewerbetreibenden", behauptet Schaffeld. Vereine oder Initiativen könnten am Wochenende kostenlos Infostände bekommen, sagt er. Bisher hat sich für die "soziale Meile" jedoch niemand angemeldet. Irritationen gab es unter den Kiezaktivisten auch, weil die Firma Nareyka, die bisher immer das Müllerstraßenfest ausgerichtet hat, am 1. August ebenfalls einen Antrag für ein Straßenfest eingereicht hatte. "Der wurde aber zwischenzeitlich zurückgezogen", erklärte Spallek auf der BVV.

Für das Wochenende 14. bis 16. September waren bereits Halteverbotsschilder in der Müllerstraße aufgestellt worden, die auf Anordnung der Genehmigungsbehörde wieder abgebaut werden mussten. Um die Zusammenarbeit zu verbessern, will Spallek zukünftig die "für das Sanierungsgebiet und für das Geschäftsstraßenmanagment Beauftragten informieren", sobald ein Straßenfestantrag eingeht. Diese könnten dann den Antragsteller kontaktieren, "um eigene Vorstellungen und Ideen vorzustellen." Unabhängig davon, ob die Kiezaktiven und der Veranstalter zusammenfinden, müsse Spalleks Behörde auch zukünftig Straßenfeste genehmigen. Die BVV soll über eingereichte Anträge informiert werden.


Dirk Jericho / DJ
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