Junge Unternehmen wollen auf sich aufmerksam machen

Susanne Stock (links) und Annette Haußknecht machen seit sechs Jahren mit ihrem Label "montagehalle-berlin" Mode in Wedding. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Billigmeile, Ramschläden, Dönerbuden und Asiaimbisse. Das fällt vielen als erstes ein, wenn sie an die Kieze entlang der Müllerstraße denken. Doch das ist nur die eine Wahrheit.

Suse Stock und Annette Haußknecht haben seit Tagen kein einziges Stück genäht. Das Ladenatelier der Designer vom Modelabel "montagehalle-berlin" in der Togostraße 79 sieht aus wie eine Druckerei. Wo sonst die Nähmaschinen rattern, stapeln sich Tausende Flyer und Prospekte. Die zwei Modeexperten packen die Weddinger Wundertüten, die jeder Besucher am 26. Oktober bekommt. Darin ist Infomaterial zu den Firmen, die beim ersten Weddinger Wundertütentag mitmachen. Die Idee zu der Werbeaktion hatten Suse Stock und Annette Haußknecht. "Es gibt so viele kleine versteckte Sachen hier in Wedding", sagt Suse Stock. 23 junge Firmen präsentieren sich von 10 bis 24 Uhr und bieten Rabatte und Überraschungen. Es gibt Livemusik, Ausstellungen, Lesungen oder eine Schaufensterperformance. Die "montagehalle-berlin" wird zur "elektroswingenden Wunderkammer", wie Annette Haußknecht sagt. Genaueres wollen die Modedesigner nicht verraten, "sonst ist es ja keine Überraschung mehr", so Stock.

Die zwei Designer haben Werbung nicht mehr unbedingt nötig. Ihr Atelier läuft gut. Seit sechs Jahren schon entwerfen und fertigen sie "unkonventionelle Mode" in Wedding und sind sowas wie Pioniere der Aufwertungswelle, die immer mehr Kreative in die einst verrufenen Kieze spült. Die Jungunternehmer und Barbesitzer, die mit in die Wundertüte wollten, wurden per Mund-zu-Mund-Propaganda aquiriert, wie Suse Stock sagt. In der Presseinfo wird die Gemeinschaftsaktion der neuen Ladenbetreiber gleich zum "Kreativnetzwerk Weddinger Wundertüte" aufgeblasen.

2000 Euro haben die Organisatoren aus dem Gebietsfonds des Förderprogramms Aktives Zentrum und Sanierungsgebiet Müllerstraße bekommen. Private Akteure können dort Projekte einreichen, die positiv für die Entwicklung an der Müllerstraße sind. Senat und Bezirk unterstützen solche Initiativen für ein besseres Image. Für hippe Jungdesigner, coole Bars und abgefahrene Läden ist Wedding auch deshalb ein interessanter Standort. Immer mehr Kreative eröffnen hier ihre Geschäfte. Die Mieten sind im Gegensatz zu den In-Bezirken wie Mitte oder Prenzlauer Berg noch finanzierbar. Vor allem in solchen Gegenden wie Togostraße oder Koloniestraße, die eher mit weniger schönen Dingen in Verbindung gebracht werden. Wedding ist eine Wuntertüte.

Alle Informationen zur Entdeckungstour unter weddingerwundertuete.wordpress.com.

Dirk Jericho / DJ
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