Sanierungsmittel gestrichen, um Park aufzuhübschen

Die Sanierung der Schillerpark-Terrassen wurde gestrichen. (Foto: Dirk Jericho)

Wedding. Die maroden Terrassen im Schillerpark: seit Jahren verschiebt der Bezirk die dringend notwendige Sanierung des Denkmals.

Im Frühjahr sollte es losgehen. 200 000 Euro wollte der Bezirk ausgeben, um die dreistufige Terrassenanlage im Schillerpark neben der gleichnamigen Weltkulturerbesiedlung endlich zu sanieren. Die Treppen und Mauern sind kaputt, die Türmchen marode. Doch das Bezirksamt streicht auf seiner Sitzung am 12. Februar die Mittel. Ebenfalls gestrichen werden 400 000 Euro der insgesamt 1,1 Millionen Euro, die für die Erneuerung der Soldiner Straße vorgesehen waren. Die Arbeiten dort können jetzt erst 2014 beginnen und werden nicht mehr die gesamte Straßenlänge umfassen. Der Bezirk braucht das Geld, um die maroden Atelierhäuser im Monbijoupark gegenüber der Museumsinsel abzureißen. Seit dem Auszug der Kunsthochschule Weißensee stehen die Häuser leer und verrotten. Die BVV hat beschlossen, die Gebäude zur Parkerweiterung abzureißen. Seit Monaten campieren Obdachlose in den Atelierhäusern; es gibt immer wieder Einbrüche und Vandalismusschäden. Die Polizei hat sich auch schon beim Bezirksamt beschwert. Seit zwei Wochen patrouilliert ein Wachschutz. Außerdem wurde eine mobile Alarmanlage installiert. Kosten: 1500 Euro pro Monat.

Die hohen Gebäudekosten, insgesamt über 70 000 Euro im Jahr, sind der Grund, warum der Bezirk die Ruinen so schnell wie möglich loswerden will. Um den Abriss und die provisorische Neugestaltung der Parkfläche zu finanzieren, werden die 600 000 Euro in Wedding gestrichen. Denn "frisches" Geld hat der verschuldete Bezirk nicht.

Hinter dieser Finanzierungs-Rochade steckt auch ein bizarrer amtsinterner Streit. Um die Atelierhäuser sollte sich Kulturstadträtin Sabine Weißler (Grüne) kümmern. Die Gebäude wurden, weil ja mal kulturell genutzt, ihrem Fachvermögen zugeteilt. Doch in Abwesenheit des Baustadtrates Carsten Spallek (CDU) wurde mit den Stimmen der SPD und Grünen vor drei Wochen beschlossen, dass Spalleks Tiefbau- und Landschaftsplanungsamt ab sofort für die Atelierhäuser zuständig ist. Der Beschluss ist insofern interessant, weil in Mitte eine rotschwarze Zählgemeinschaft das Sagen hat.

Spallek macht jetzt Schluss mit dem Ärgernis im Monbijoupark und bestellt die Abrissfirmen. Die Weddinger müssen weiterhin auf die Sanierung der einzigartigen Schillerpark-Terrassen und auf eine neue Straße warten.


Dirk Jericho / DJ
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