Stadtteilvertretung will keine Ramschmeile

Wedding. Vom 18. bis 20. April gibt es zwischen Leopoldplatz und Seestraße wieder ein Müllerstraßenfest.

"Buntes Markttreiben mit Bühnenprogramm, Handelsständen, Gastronomie und Kinderfahrgeschäften und Super-Osterei-Gewinnspiel" - so steht es auf der Website der Veranstaltungsfirma Nareyka, die auch in diesem Jahr ein Müllerstraßenfest organisiert. Doch für die Stadtteilvertretung "mensch müller" (STV) ist das "31. Osterfest Müllerstraße", wie es Nareyka nennt, nur ein ewiges Ärgernis. "Uns hat niemand gesagt, dass ein Müllerstraßenfest genehmigt wurde", sagt STV-Sprecher Peter Arndt, der sich übergangen fühlt.

Seit Jahren gibt es Knatsch um die Straßenpartys. Für viele Gewerbetreibende und Anwohner ist das Fest nichts weiter als eine Ramsch- und Billigmeile mit Ständen mit Schuhen, Lederwaren und Billigklamotten sowie etlichen Imbissbuden und Karussells. Laut einer Umfrage der Stadtteilvertretung lehnen die meisten Geschäftsleute das Fest in der bisherigen Form ab und wollen eine "qualitativ bessere Veranstaltung mit tatsächlichem Festcharakter."

Die Grünen in der BVV fordern in einem Antrag, "die sogenannten Müllerstraßenfeste in der bisherigen Form zu untersagen." Bis mit den Anwohnerinitiativen und Händlern ein Konsens gefunden ist, solle der Bezirk keine Müllerstraßenfeste "im bisherigen Stil" genehmigen.

Die SPD will in einem weiteren BVV-Antrag einen "Positiv-Negativ-Katalog", in dem Kriterien für die Feste geregelt werden. Beide Anträge wurden auf der Februarsitzung der BVV in die Ausschüsse überwiesen. Ein Positiv-Negativ-Katalog regele nur die Anzahl der Feste, nicht jedoch die Qualität, sagt der zuständige Stadtrat Carsten Spallek (CDU.

Die Stadtteilvertretung solle erst einmal genau definieren, was sie inhaltlich wünscht. "Dann können wir eine konkrete Ausschreibung machen", so Spallek. Interessierte Veranstalter müssten sich dann an genaue Vorgaben halten. Solange es keine konkreten Kriterien gebe, müsse die Behörde nach dem Straßengesetz genehmigen, so Spallek, der "die Bringschuld" bei der Stadtteilvertretung sieht.

Wie STV-Sprecher Peter Arndt sagte, werde derzeit ein solcher Kriterienkatalog erarbeitet. Im Sanierungsbeirat für das Sanierungsgebiet Müllerstraße wurde soeben eine AG Müllerstraßenfest gegründet, in der neben Vertretern der zuständigen Behörden und der Händler-Standortgemeinschaft Müllerstraße auch Mitstreiter der STV "mensch müller" mitarbeiten. "Wir bleiben am Ball", sagte Arndt. Denn aktuell sei das Müllerstraßenfest kein Fest, "sondern ganz überwiegend ein Billigmarkt." Das stehe im Gegensatz zu den Sanierungszielen, die Müllerstraße aufzuwerten. "Die Müllerstraße läuft Gefahr, weiter als Ramsch- und Billigmeile in Verruf zu geraten", heißt es in einer Stellungnahme der Stadtteilvertretung von Januar.

Im Bezirkamt liegt bereits der nächste Antrag für ein Straßenfest über Himmelfahrt vom 29. Mai bis 1. Juni vor. Der Name der Antragstellerin ist in der Behörde bisher nicht bekannt. Vielleicht wird dieses Müllerstraßenfest ja schon ganz anders.


Dirk Jericho / DJ
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