Kaffee statt Alkohol: Seit vier Jahren ist das Cafe Leo beliebter Treffpunkt / Jetzt läuft Genehmigung aus

Hüseyin Ünlü kämpft mal wieder ums Überleben. Der Bezirk hat die bis Ende 2015 genehmigte Sondernutzung für das Café Leo nicht verlängert. (Foto: Dirk Jericho)
 
Hüseyin Ünlü kämpft mal wieder ums Überleben. Der Bezirk hat die bis Ende 2015 genehmigte Sondernutzung für das Café Leo nicht verlängert. Foto: Dirk Jericho (Foto: Dirk Jericho)
Berlin: Café Leo |

Wedding. Erneut gibt es Proteste, weil das Bezirksamt die Genehmigung für den Imbisswagen auf dem Leopoldplatz nicht verlängern will.

Mütter genießen ihren Kaffee und Croissant, Kinder trinken Kakao oder spielen in den Wasserfontänen, ältere Männer sind in Gesprächen vertieft. Der vordere Leopoldplatz macht einen friedlichen Eindruck. Die Menschen sind wieder gern hier. Das war jahrelang nicht so. Vor allem Familien haben um den Leopoldplatz einen großen Bogen gemacht. Angst, Alkohol und Aggressionen waren die Begriffe, die viele mit dem heruntergekommenen Platz verbunden haben.

Der Bezirk hat Millionen investiert, um den Platz wieder für alle attraktiv zu machen. Neben der baulichen Neugestaltung waren vor allem die sozialen Projekte wichtig. Die Trinkerszene wurde nicht einfach vertrieben; damit sie keinen stören, haben sie einen überdachten Treff inklusive Toilettenhaus weiter hinten an der Turiner Straße bekommen. Streetworker kümmern sich um sie. Ein richtiges Café an der Müllerstraße sollte den Platz beleben. Gebaut wurde es bisher nie, obwohl es in den Architektenentwürfen zum Platzneubau eingezeichnet war. Aber es gibt eine mobile Übergangslösung.

Hüseyin Ünlü lebt seit 35 Jahren am Platz. Er ist Begründer des Runden Tisches Leopoldplatz und hatte die Idee für das Platz-Café. Seit 2011 betreibt Ünlü das Café; anfangs in einer roten Coladose, dann in einem Imbisswagen, den der Bezirk bezahlt hat. Alkohol gibt es hier nicht zu kaufen. „Der Platz hat sich sehr entwickelt. Familien kommen wieder gern“, sagt Ünlü, den hier fast jeder persönlich kennt. Er organisiert auch seit vier Jahren das Iftar-Essen auf dem Leo. „Wenn das Café schließt, kommen die problematischen Leute wieder“, glaubt Hüseyin Ünlü. Bürgermeister Christian Hanke (SPD) verweist auf den für die Genehmigung des Imbisswagens zuständigen Baustadtrat; sagt aber, dass er sich auf dem vorderen Teil des Leopoldplatzes ein festes Café wünscht, „damit frühere Fehlentwicklungen verhindert werden.“ Baustadtrat Carsten Spallek (CDU) hat die jährliche Ausnahmegenehmigung für den Imbisswagen bisher nicht verlängert. „Ohne Begründung wurde mein Antrag abgelehnt“, sagt Ünlü. Laut Spallek „wäre für eine dauerhafte Nutzung ein Interessenbekundungsverfahren durchzuführen.“ Das heißt, ein fester Bau müsste ausgeschrieben werden. Wie Spallek sagt, gibt es aber „noch kein abgestimmtes Konzept für die Nutzung des Platzes“. Auch stünden noch Gespräche mit der Kirchengemeinde und dem Marktbetreiber aus, „die als starke Akteure vor Ort eingebunden werden sollen.“

Die Stadtteilvertretung „mensch.müller“ protestiert wie bereits vor einem Jahr für das Café Leo und „fordert das Bezirksamt Mitte auf, den Fortbestand auch über das Jahr 2015 hinaus zu genehmigen, bis eine dauerhafte gastronomische Lösung im Rahmen des Sanierungskonzepts gefunden ist.“ Die BVV hatte sich auch für das Bürger-Projekt Café Leo eingesetzt und den Erhalt beschlossen. Dass der Bezirk die Ausnahmegenehmigung für das Café Leo nicht mehr verlängern will, „ist ein Schlag ins Gesicht aller, die sich für mehr Aufenthaltsqualität auf dem Leopoldplatz einsetzen“, sagt Daniel Gollasch von den Grünen. Der mobile Café-Wagen müsse bleiben, bis das feste Café gebaut wird. Der grüne Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu fordert ebenfalls den Erhalt des Cafés. „Die vom Betreiber organisierten kulturellen Veranstaltungen wie das Iftar-Fest sind ein voller Erfolg. Für mich ist unbegreiflich, warum der Bezirk das Sondernutzungsrecht nicht verlängert“, so Mutlu. DJ
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