Ein Stolperstein erinnert jetzt vor der Paul-Oestereich-Straße 4 an Max Seidemann

Der Stolperstein vor der Paul-Oestereich-Straße 4. (Foto: Bernd Wähner)
 
Peter Seidemann erinnert bei der Stolpersteinverlegung an seinen Großvater. (Foto: Bernd Wähner)

Weißensee. Vor der Paul-Oestereich-Straße 4 wurde jetzt ein Stolperstein verlegt. Er erinnert am Max Seidemann, der einst in diesem Haus lebte. Verlegt wurde der Stein vom Künstler Gunter Demnig.

Stolpersteine, das sind etwa zehn mal zehn Zentimeter große Gedenktafeln aus Messing. Sie sind in das Pflaster vor Wohnhäusern deportierter und ermordeter Juden eingelassen, sodass Passanten auf sie aufmerksam werden, quasi über sie „stolpern“. Auf diesen Tafeln stehen ein Name, ein Geburtsdatum und in der Regel das Datum und der Ort, an dem die betreffenden Menschen zu Tode kamen. Stolpersteine werden vor den letzten bekannten Wohnadressen von Opfern verlegt. Für einen Stolperstein vor der Paul-Oestereich-Straße 4 machten sich vor allem Rona Mechelke, Maria Haverkamp und Mechthild Zech-Bußkamp stark. Letztere ist Lehrerin an der Katholischen Theresienschule Weißensee. Gemeinsam mit Gymnasiasten initiierte sie 2012 das Forschungsprojekt „Verschwundene Nachbarn“. Zwei Jahre lang recherchierten die Schüler. Für 16 Verfolgte und Deportierte konnten die Oberschüler ein genaueres Profil erstellen. Sie rekonstruierten deren Biografien und machten auch Nachfahren ausfindig. Die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit stellten die Schüler unter anderem zu einer 80-seitigen Broschüre zusammen.

Doch das Thema ließ einige auch nach ihrer Schulzeit nicht mehr los. Ronja Mechelke und Maria Haverkamp recherchierten, unterstützt von ihrer früheren Lehrerin, weiter. Dabei konzentrierten sie sich auf Max Seidemann. Über das schwedische Einwohnermeldeamt gelang es ihnen, den Enkel Peter Seidemann ausfindig zu machen. Zu ihm nahmen sie Kontakt auf und beantragten die Verlegung eines Stolpersteins für Max Seidemann.

Der jetzt mit einem Stolperstein geehrte kam 1886 in Oberschlesien zur Welt. Im jüdischen Adressbuch wird er als Kaufmann geführt. Er war mit Irma Seidemann verheiratet. Ihr einziger Sohn Kurt kam 1920 zur Welt. Dieser floh 1939 nach Schweden, wo er fortan mit seiner Frau Ursula lebte. Max Seidemann musste indes seinen alten Beruf aufgeben. Seit 1939 war er als Zwangsarbeiter der Firma Warnecke und Böhm beschäftigt. In dieser Firma für Farben und Lacke war er als Transportarbeiter tätig. Am 6. Juni 1942 wurde er dort entlassen, am 10. Juli 1942 im KZ Sachsenhausen ermordet. Seine sterblichen Überreste blieben allerdings nicht im KZ. Ein Rabbiner sorgte dafür, dass seine Urne am 2. September 1942 auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee beigesetzt wurde.

Zur Verlegung des Stolpersteins für seinen Großvater kam Peter Seidemann gemeinsam mit seiner Frau Anne eigens aus Schweden angereist. „Ich bin sehr dankbar und sehr gerührt, dass meinem Großvater mit dem Stolperstein nach so vielen Jahren solch eine Ehrung widerfährt“, sagt er. Für Ronja Mechelke war die Stolpersteinverlegung ein ganz besonderes Erlebnis: „Wir hatten ja anfangs nur den Namen Max Seidemann. Durch den Kontakt zu seinem Enkel bekamen wir dann auch Fotos, erfuhren mehr über die Familie und bekamen schließlich ein Bild von diesem Menschen, der einst in Weißensee lebte“, sagt sie. BW
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