OSZ-Schulleiter Holger Sonntag überraschend abberufen

Mit solchen Transparenten wurde für den Schulleiter demonstriert. (Foto: Bernd Wähner)
 
Holger Sonntag leitet erfolgreich die Marcel-Breuer-Schule. Jetzt wurde er überraschend abberufen. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Marcel-Breuer-Schule |

Weißensee. Am Standort der beiden Oberstufenzentren an der Gustav-Adolf-Straße herrscht seit Monaten Unruhe. Vor wenigen Tagen erreichte das Hickhack über die Zukunft des Standorts einen neuen Höhepunkt. Der langjährige Leiter der Marcel-Breuer-Schule wurde abberufen.

Holger Sonntag ist als engagierter Pädagoge bekannt. 14 Jahre leitet er nun schon das Oberstufenzentrum für Holztechnik, Glastechnik und Design. Die Marcel-Breuer-Schule erreicht bei Schulinspektionen immer wieder Bestnoten und ist vielfach ausgezeichnet. Sie ist Partner von Sekundarschulen im Gymnasialbereich. Am 13. September wurde dem Schulleiter von der Senatsbildungsverwaltung mitgeteilt, dass er nicht mehr Schulleiter ist. Stattdessen wurde ihm ein Wechsel in die Lehrerbildung angeboten. Diese Nachricht schlug am OSZ ein wie eine Bombe. Schüler und Lehrer protestierten in Briefen bei Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) gegen diese Entscheidung.

Außerdem organisierten sie eine Demonstration für ihren Schulleiter. Etwa 1000 Teilnehmer wurden gezählt. Mit Sprüchen und Transparenten wie „Keine Woche ohne Sonntag!“ fordern sie ihren Schulleiter zurück. „Herr Sonntag ist menschlich und fachlich Spitze“, sagt Willy Schmidt, der Gesamtschülervertreter der Marcel-Breuer-Schule. „Hier wurde einfach über die Köpfe von uns allen hinweg entschieden. Niemand redete mit Lehrern oder Schülern im Vorfeld. Wir können nicht nachvollziehen, warum ein so erfolgreicher Schulleiter abberufen wird.“

Am OSZ-Standort an der Gustav-Adolf-Straße befindet sich neben der Marcel-Breuer-Oberschule die Martin-Wagner-Schule, OSZ Bautechnik II. Vor Monaten sorgte die Senatsverwaltung dort bereits mit der Idee, die Schule mit dem Spandauer Bautechnik-OSZ zu fusionieren, für Aufruhr. Hintergrund ist, dass am Weißenseer Standort zu wenige Räume zur Verfügung stehen. Nach Protesten und vielen Diskussionen ist die Zerschlagung der Martin-Wagner-Schule vom Tisch. Stattdessen strebt der Senat seit Juli einen „Campus Gestaltung“ an diesem Standort an, in dem die beiden Oberstufenzentren fusionieren. Schulleiter Sonntag forderte von der Senatsverwaltung klare Rahmenbedingungen für die Zusammenlegung. Vielleicht wurde er mit seinem Engagement für die Bildungsverwaltung zu unbequem, vermuten Schüler und Lehrer.

Der CDU-Politiker Dirk Stettner schätzt das bisherige Agieren der Bildungsverwaltung als „höchst unglücklich“ ein. „Es ist verständlich, wenn eine Verwaltung darüber nachdenkt, wie sie die Nutzung von Gebäuden effektiver gestalten kann“, sagt er. „Aber es ist unglaublich, wie man zwei gut funktionierende Oberstufenzentren durch Kommunikationsfehler so in Unruhe versetzen kann. Und als Höhepunkt wirft man dann einen beliebten Schulleiter raus, weil er sich für eine vernünftige Lösung einsetzt.“

„Ich bin ehrlich gesagt richtig wütend“, sagt die grüne Bildungspolitikerin Stefanie Remlinger. „An diesem OSZ-Standort hat die Bildungsverwaltung ohne Konzept einen Konflikt angeschoben. Dann rudert sie im Fall der Martin-Wagner-Schule zurück, beruft den Schulleiter der Marcel-Breuer-Schule ab und bringt das zweite OSZ gegen sich auf. Hier herrscht komplettes Kommunikationsversagen. Und noch schlimmer: Ich sehe immer noch kein Konzept für diesen Standort.“ BW
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