Gießerei Flierl an der Friesickestraße hat neue Inhaber

Jacqueline Brown bereitet in der Formerei der Kunstgießerei Flierl die Form für eine neue Plastik vor, die demnächst gegossen wird. (Foto: Bernd Wähner)
 
Der Metallbildhauer Rico Rensmeyer bearbeitet ein kürzlich gegossenes Teil. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Kunstgießerei Flierl |

Weißensee. In der Galerie der Kunstgießerei Flierl ist eine neue Ausstellung zu sehen. Unter dem Motto „Aus der Menge“ stellt Stanisław Hryń Bronzeplastiken aus.

Die Arbeiten des polnischen Kunstprofessors sind figürlich und vielschichtig humorvoll. Es macht Spaß, die Plastiken anzuschauen. Seine "Helden" entdeckt Hryń in der Menge. Er verleiht ihnen Witz und Charme, sodass sie sich aus der Masse abheben.

Mit dieser neuen Ausstellung stellt sich aber nicht nur Stanisław Hryń dem Berliner Publikum vor, auch Anke Schierlitz und Rico Rensmeyer präsentieren sich in neuer Funktion. Sie sind die neuen Inhaber der Kunstgießerei und Galerie. „Wir beide sind seit Jahren in der Kunstgießerei Flierl tätig und bestens vertraut mit dem organisatorischen und technischen Know-how“, so Anke Schierlitz. „Gemeinsam mit unserem erfahrenen Team führen wir die Tradition des Betriebes fort.“

Tradition weiterführen

Gegründet wurde die Kunstgießerei vor 23 Jahren von Marco Flierl. Dieser hat von Anfang an nicht nur die Werke anderer Künstler gegossen, er ist auch selbst ein renommierter Metallbildhauer. Deshalb möchte er sich jetzt noch mehr auf sein künstlerisches Wirken konzentrieren. Mit den beiden neuen Inhabern hat er Nachfolger gefunden, die die Tradition der Kunstgießerei fortführen. Anke Schmitz ist Kunsthistorikerin und Rico Rensmeyer arbeitet selbst als freiberuflicher Bildhauer. In den vergangenen Jahren war er bereits Werkstattleiter in der Gießerei.

Hüte und Stadtmöbel

Der Gießerei- und Galeriestandort in der Friesickestraße 17 hat eine lange Tradition. Seit Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich dort die Eisengießerei Behr. Dort wurden zunächst Formen für Hutfabriken angefertigt. Als Hüte aus der Mode kamen, stellte man die Produktion auf Produkte um, die heute als Stadtmöbel bezeichnet werden: Bänke, Straßenlaternen oder auch das legendäre Café Achteck.

2003 verlagerte die Gießerei Behr ihre Produktion in einen Neubau in Hohenschönhausen. Für den Standort in der Friesickestraße wurde ein Nachnutzer gesucht. Glück für die Gießerei Flierl. Diese war 1992 von Marco Flierl in einem Hinterhof in Prenzlauer Berg gegründet worden. Dort wurde es zu eng. Die Räume waren zu niedrig, um größere Formate gießen zu können.

Nach einer umfangreichen Sanierung der alten Räume und deren Ausbau eröffnete die Kunstgießerei Flierl 2006 ihr neues Domizil in Weißensee. Dort konnten nun auch Aufträge von monumentaler Größe abgewickelt werden. Inzwischen ist die Friesickestraße 17 für viele Metallbildhauer aus Berlin und Brandenburg die erste Adresse. „Wir bauen Modelle und Formen und gießen jede Art von Plastik, ob klein oder monumental“, sagt Anke Schierlitz. Gegossen wird vor allem Bronze und Aluminium, aber auch jedes andere Metall. „Dabei wird das klassische Wachsausschmelzverfahren in Schamott oder shellcasting angewandt.“ Die technische Ausstattung erlaubt es, Einzelstücke mit bis zu 500 Kilogramm Gewicht und 5,50 Metern Höhe zu fertigen.

Schaugießen auch für Schulen

Für jeden zugänglich sind die Ausstellungsräume auf dem Gelände der Kunstgießerei. In diesen stellen regelmäßig Metallbildhauer, aber auch andere Künstler aus. Im Rahmen von Ausstellungen werden auch immer wieder Schaugießen angeboten. „Künftig planen wir auch noch mehr Workshops und Schaugießen für Schulklassen, damit die Schüler ganz praxisnah das Gießen erleben können“, sagt Anke Schierlitz. „Außerdem möchten wir auch noch mehr Künstlergespräche organisieren.“ BW

Weitere Informationen gibt es unter  44 73 23 11 sowie auf www.kunstgiesserei-flierl.de. Die Ausstellung mit Plastiken von Stanisław Hryń ist bis zum 18. Dezember montags von 10 bis 18 Uhr sowie dienstags bis freitags von 10 bis 15 Uhr zu besichtigen.
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