Alleskönner Buntpapier: Maja Kemnitz eröffnete ihre eigene Manufaktur

Sterne, Alben, Schachteln, CD-Hüllen, dekoratives Verpackungsmaterial, Blätter für Buchbinder und vieles andere mehr stellt Maja Kemnitz aus Buntpapier her. (Foto: Bernd Wähner)
Berlin: Buntpapiermanufaktur |

Weißensee. Buntpapier: Das ist doch was zum Basteln für kleine Kinder? Irrtum! Wer die Manufaktur von Maja Kemnitz betritt, wird staunen, was man mit Buntpapier alles anstellen kann.

„Papier wurde in früheren Zeiten noch ganz anders und häufiger verwendet als heute“, sagt Maja Kemnitz. Da gab es noch weit mehr Schachteln, Dekorationen oder Alben aus buntem Papier. Sogar in Schränken wurde Papier unter den Wäschestapel gelegt. Und ganz zu schweigen von Büchern. Die wurden nicht nur sorgsam eingeschlagen, viele hatten auch bunte Vorsatzpapiere.

Bücher sind es auch, die die Weißenseerin anregten, sich intensiv mit Papier zu beschäftigen. Viele Erfahrungen sammelte sie in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar. In dieser lagern viele wertvolle historische Bücher. Am 2. September 2004 richtete ein Großbrand in dieser Bibliothek großen Schaden an. Unwiederbringliche Schätze gingen verloren.

Aber Tausende Bücher überstanden glücklicherweise das Feuer, allerdings mit Schäden. Damit die Bücher der Nachwelt erhalten bleiben, kümmert sich seit Jahren ein Team von Restauratoren um sie. Zu diesen gehörte bis 2013 auch Maja Kemnitz, die gelernte Buchbinderin ist. Sie pendelte viele Jahre zwischen Berlin und Weimar. „Wir arbeiteten nach einer eigens entwickelten neuen Technologie der Massenrestaurierung“, sagt sie. „In der Restaurierungswerkstatt haben wir die Brandschäden an den Büchern beseitigt. Das war für mich eine spannende und herausfordernde Aufgabe.“

Die Bandbreite der teilweise Jahrhunderte alten Bücher, die sie restaurierte, reichte von Büchern zur Reiteraufstellung bis zu historischen Büchern mit Einrichtungstipps für Möbel und Ornamente. Das älteste, das sie seinerzeit restaurierte, stammte aus dem Jahre 1450.

„In meiner Zeit in Weimar bildete ich mich bei bekannten Buntpapiermachern weiter“, erzählt sie. Das ist ein in unseren Breiten inzwischen seltener Beruf. Sie erlernte Techniken der Buntpapierherstellung, auch nach eigenen Entwürfen. In den vergangenen Jahren war Maja Kemnitz immer wieder bei Tagen der offenen Tür, Festen und zu Workshops in der Heinz-Brandt-Oberschule in der Langhansstraße zu Gast. Dort erklärte sie Schülern und Eltern unter anderem, welche Werkzeuge man zur Buntpapierherstellung benötigt, wie man Papier schöpft und wie die Buchbinderei funktioniert. „Ich merkte, dass es hier ein großes Interesse gibt und den Wunsch, es selbst einmal auszuprobieren.“

Außerdem bekam sie immer wieder Aufträge von Verlagen und Buchbindern, die bei ihr Buntpapiere bestellten. Deshalb entschied sie sich, in der Friesickestraße 33 eine Manufaktur zu eröffnen. Dort entwickelt und stellt sie seit einigen Monaten ihre eigenen Produkte her. Wegen der großen Nachfrage bietet sie außerdem Kurse und Workshops an – von „Marmorieren – Wassergrafiken“ bis zu „Japanische Blockbuchheftung“. BW

Mehr über Maja Kemnitz erfahren Sie auf www.buntpapiermanufaktur.de.
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