Den Künstler Thomas Mascher interessieren vor allem die Menschen an der Weißenseer Spitze

Thomas Mascher mit seiner Kamera. Er fotografiert Menschen aus dem Kiez. (Foto: Bernd Wähner)
 
Thomas Mascher fotografierte in seinem Fotoprojekt auch diese Familie in der Lehderstraße. (Foto: Thomas Mascher)
Berlin: Galerie Emma T. |

Weißensee. Es hat sich inzwischen zu einem Treffpunkt der Nachbarschaft im Kiez Weißenseer Spitze entwickelt: das Galerie-Café Emma T. in der Lederstraße 60. Für den zweiten Teil der Serie „Unser Kiez – rund um die Weißenseer Spitze“ sprach Reporter Bernd Wähner mit dem Fotokünstler und Galeristen Thomas Mascher.

Seit wann sind Sie mit Emma T. in diesen Räumen?

Thomas Mascher: Seit April 2004. Seinerzeit gab es eine Leerstandsinitiative. Künstler durften leer stehende Gewerberäume nutzen. Ich landete hier. Zweimal in der Woche machte ich auf. Ich lud die Menschen aus dem Kiez ein, in den Räumen selbst Kunstwerke herzustellen. Außerdem präsentierte ich Ausstellungen. Noch im selben Jahr konnte ich einen Mietvertrag abschließen.

Inzwischen ist mehr daraus geworden. Haben Sie das so geplant?

Thomas Mascher: Anfangs nicht. Ich merkte aber ganz schnell, dass die 35 Meter Gewerberaum Potenzial haben. Deshalb entschloss sich mich, den Laden häufiger zu öffnen. 2008 gründete ich das Galerie-Café. Das wird vom Kiez gut angenommen und als Treffpunkt genutzt. Bisher habe ich hier 126 Ausstellungen gezeigt. Bei Emma T. finden aber auch zahlreiche Kleinkunstveranstaltungen statt: Live-Musik, Lesungen, Performance, Filmabende und vieles mehr.

Apropos Emma T. Woher kommt der Name?

Thomas Mascher: In Verehrung der englischen Barocksopranistin Emma Kirkby legte ich mir als Künstler den Namen Emma T. zu. So habe ich dann auch das Galerie-Café genannt.

Wenn Sie auf die vergangenen zehn Jahr zurückblicken, wie hat sich der Kiez Weißenseer Spitze verändert?

Thomas Mascher: Anfangs traf ich im Kiez vor allem ältere Leute. Inzwischen sind sehr viel Jüngere, vor allem Familien mit Kindern hergezogen. Der Kiez hat sich eindeutig verjüngt. Und er ist multikultureller geworden. Ich habe bisher 22 Nationalitäten im Kiez kennengelernt. Die neu Zugezogenen sind klasse Leute. Es sind Menschen, die offen für Neues sind und die sich für den Kiez interessieren.

? Das regte Sie auch zu einem Fotoprojekt mit Menschen aus dem Kiez an?

Thomas Mascher: Genau. Ich spreche seit einigen Jahren Leute in oder vor der Galerie an, ob sie sich von mir fotografieren lassen würden. Bisher hat mir das noch keiner abgeschlagen. Vor anderthalb Jahren zeigte ich als 100. Emma-T.-Ausstellung erste Kiezfotos. Vor einem Jahr folgte eine Ausstellung mit Familienfotos. Das Projekt setze ich fort. Weil inzwischen so viele interessante Menschen im Kiez leben, habe ich auch eine Sonntagsrunde initiiert.

Was verbirgt sich dahinter?

Thomas Mascher: Jeden Sonntag ab 11 Uhr bis in den Nachmittag hinein treffen sich Leute zu einer Gesprächsrunde bei mir. Wir reden über alles: Politik, Ethik, die Entwicklung im Kiez. Das Ganze läuft nach dem Prinzip der gewaltfreien Kommunikation. Da kommen Nachbarn zwischen 20 und 60 Jahren zusammen.

Wenn Sie mit Nachbarn reden, welche Visionen haben die Menschen für ihren Kiez?

Thomas Mascher: Wir alle wünschen uns zum Beispiel, dass der Leerstand von Läden beendet wird und dass sich noch mehr Kreative ansiedeln. Außerdem haben wir hier immer mehr Kinder. Deshalb wäre auch eine Kita im Kiez toll.

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