Horst Köth von der Niles Aus- und Weiterbildung gGmbH hat rasch reagiert

Horst Köth ist seit 1962 Ausbilder bei Niles gewesen. Heute ist er Geschäftsführer der gemeinnützigen Gesellschaft Niles AW Aus- und Weiterbildung. (Foto: BW)

Weißensee. Am 9. November 1989 wurde die Berliner Mauer geöffnet. Seit dem entwickelte sich nicht nur Berlin rasant. In den vergangenen 25 Jahren veränderte sich auch das Leben vieler Menschen in dieser Stadt. In den kommenden Ausgaben stellen wir Ihnen einige davon vor.

Dass die Mauer gefallen war, hatte Horst Köth am 9. November 1989 gar nicht mitbekommen. Er leitete seit 1974 die Berufsschule des VEB Werkzeugmaschinenbaukombinats 7. Oktober an der Geringstraße. Da hatte er alle Hände voll zu tun. "Ich hatte morgens um halb fünf Uhr mit der Arbeit begonnen und war erst um 22 Uhr zu Hause. Da habe ich keine Nachrichten mehr gesehen", erinnert er sich.

Als dann aber eine Kollegin aus der Kaderabteilung, die immer linientreu war, sagte, dass sie an der Osloer Straße im Wedding Kaffeetrinken war, bekam Horst Köth allmählich mit, was los war. "Die Kollegin meinte, dass heute wohl kaum jemand kommen werde, weil alle drüben sind", erinnert er sich. "Aber alle Kollegen und 90 Prozent der Lehrlinge waren da. Wir haben normalen Unterricht gemacht."

In der Folgezeit hatte es Horst Köth nicht eilig, in den Westen zu kommen. "Bereits seit den 80er Jahren hatte ich Kontakt zur Betriebsschule von Siemens", so Köth. "Gleich nach der Maueröffnung rief mich deren Direktor an und meinte, ich solle doch mal rüberkommen. Mir war klar, dass die Mauer jetzt nicht mehr dicht gemacht wird. Also ließ ich mir Zeit. Erst knapp ein Vierteljahr später kam es zum Treffen."

Horst Köth interessierte viel mehr, wie es mit seiner Berufsschule weitergehen wird, die es bereits seit 1952 gab. Köth begann 1962 als Ausbilder an diesem Standort.

"Wir hatten immer um die 700 Lehrlinge und bildeten sowohl für das große Kombinat als auch für kleinere Betriebe in Weißensee aus." Ab 1990 zerfiel das Kombinat plötzlich in viele kleinere Unternehmen. Die Berufsschule wollte keiner finanzieren. Ihre Zukunft war ungewiss. Etliche Lehrer wechselten an Oberstufenzentren. Die meisten Lehrausbilder blieben aber.

"Wir entschieden uns, eine gemeinnützige GmbH zu gründen. Die praktische Ausbildung am Standort sollte weiter gehen", so Köth. Rasch stellte man sich auf das duale Ausbildungssystem um. Die frühere Berufsschule wurde zu einem modernen Ausbildungsbetrieb. Heute hat das Unternehmen einen guten Ruf als zuverlässiger Partner in der Verbundausbildung. Es übernimmt die Lehrlings-Grundausbildung für andere Unternehmen, bietet aber auch Aus- und Weiterbildungen für Mitarbeiter von Unternehmen an.

Dass es die Niles Aus- und Weiterbildung (AW) heute gibt, ist vor allem auch Horst Köth zu verdanken. "Zu DDR-Zeiten war alles irgendwie sozial abgesichert. Deshalb waren es viele nach dem Fall der Mauer gar nicht gewöhnt, sich selbst zu kümmern", sagt er. "Meine Kollegen und ich haben versucht, selbst etwas zu bewegen. Das war und ist nicht immer einfach. Viel mehr als früher muss man heute das Ökonomische stets im Auge behalten", resümiert der Geschäftsführer. "Aber bisher hat das funktioniert."

Ganz privat ist der inzwischen 75-Jährige ganz froh, dass die Mauer fiel. Das brachte ihm die Möglichkeit, andere Länder zu bereisen. "Ich bin zu DDR-Zeiten schon viel im Ostblock unterwegs gewesen. Schon als junger Mann träumte ich aber davon, mal nach Griechenland zu fahren. Das war dann mein erster Urlaub nach dem Mauerfall. Inzwischen habe ich schon fast die ganze Welt gesehen", sagt er.

Als Geschäftsführer der Niles AW stört ihn allerdings eines: "Die Vorschriften und die ganze Bürokratie haben im Laufe der Jahre ungeheuer zugenommen. Hatte ich früher 80 bis 90 Prozent meiner Kraft in die Ausbildung stecken können, gehen heute 50 Prozent für Bürokratie und Dokumentation drauf. Das ärgert mich."


Bernd Wähner / BW
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