Leben gerettet: Werner Klemke wollte sein Handeln nie publik machen

Die Filmemacherin Annet Betsalel drehte einen Film über Werner Klemke und seine Zeit im holländischen Widerstand. In der Hand hält sie eine Kopie seines Kriegstagebuchs. (Foto: BW)
 
Eine Ausstellung über Werner Klemke ist derzeit im Kultur-Bauwagen der Brotfabrik zu sehen. (Foto: BW)

Weißensee. Ihn kannte in der DDR fast jeder: Professor Werner Klemke. Seine Illustrationen begleiteten die Menschen durchs Leben. Man fand sie in Schulbüchern, Kinder- und Märchenbüchern.

Am bekanntesten war aber wohl der "Magazin"-Kater. Er wurde zum Markenzeichen der Zeitschrift.

Dass der bekannte Weißenseer Künstler ein wohl gehütetes Geheimnis hatte, entdeckte Annet Betsalel. Die niederländische Filmemacherin arbeitete viele Jahre in einer Synagoge. Dort fand sie in einem Schrank Material, das eine neue Facette im Leben von Werner Klemke (1917-1994) offenbarte. Der Zeichner kam als Soldat der Wehrmacht in die Niederlande. Dort entwickelten sich 1942 Kontakte zum holländischen Widerstand.

Sein Zeichentalent nutzte Klemke, um Dokumente für jüdische Bürger zu fälschen. Damit schützte er sie vor der Deportation. So rettete er vielen Menschen im besetzten Holland das Leben. Zu DDR-Zeiten redete er nie darüber. Seine Frau wusste offenbar Bescheid.

Die Dokumente, die Annet Betsalel fand, zogen sie in ihren Bann. Sie begann zu recherchieren. Unter anderem nahm die Filmemacherin Kontakt mit Nachfahren der Menschen auf, denen Werner Klemke das Leben rettete. Natürlich unterhielt sie sich auch ausführlich mit seinen Kindern.

Schließlich begann Annet Betsalel, den Dokumentarfilm "Treffpunkt Erasmus" zu drehen. Diesen präsentierte sie kürzlich in Berlin. Sie zeigt ein Porträt über einen Mann, über den man schon alles zu wissen glaubte und über dessen Leben man nun so viel Neues erfährt.

Mit einem Mix aus Nachfahren-Gesprächen, Ausschnitten aus DDR-Fernsehsendungen und animierten Trickfilmen mit Figuren aus dem "Kriegstagebuch" des Zeichners gelang es der Regisseurin, einen unterhaltsamen 99-minütigen Film zu drehen. "Erasmus" hieß übrigens das Amsterdamer Antiquariat, das zum Treffpunkt des Widerstands wurde. Vorgesehen ist, dass der Film nach seiner Premiere demnächst zwei- bis dreimal im Monat im Kino der Brotfabrik am Caligariplatz gezeigt wird. Die Brotfabrik hat auch ein weiteres Projekt zu Werner Klemke initiiert. Im Auftrag des Vereins Glashaus, Träger der Brotfabrik, gestalteten der Autor Dirk Moldt und die Grafikerin Anne Gubig eine Ausstellung. Diese wird einige Wochen lang im Kultur-Bauwagen der Brotfabrik präsentiert.

Auf Ausstellungstafeln ist mehr über das Leben und das umfangreiche künstlerische Schaffen Werner Klemkes zu erfahren. Bis zum 17. Juni steht der Kultur-Bauwagen in Karow an der Bucher, Ecke Achillesstraße. Geöffnet ist täglich von 13 bis 18 Uhr. Die nächsten Standorte finden sich auf www.brotfabrik-berlin.de.

Der Verein Weißenseer Heimatfreunde bemüht sich indes darum, dass ein Platz in Weißensee nach Werner Klemke benannt wird. In einem Bürgerantrag an die BVV wird dafür der südliche Bereich des Antonplatzes vorgeschlagen. Ganz in der Nähe an der Tassostraße wohnte der Künstler nämlich. Noch gibt es keine Entscheidung zu diesem Antrag.

Filmemacherin Annet Betsalel geht noch einen Schritt weiter: "Werner Klemke sollte aufgrund seiner Lebensleistung zum Berliner Ehrenbürger ernannt werden", sagt sie.


Bernd Wähner / BW
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2 Kommentare
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Günter Nußbaumer aus Wilmersdorf | 31.07.2015 | 16:16  
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Matthias Haberzettl aus Hellersdorf | 26.08.2015 | 17:57  
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