Optiker Andreas Wittig wurde für sein Engagement mit der Mendelssohn-Medaille ausgezeichnet

Für sein Engagement gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern, speziell durch die Aktion „Weihnachten für Frauen und Kinder in den Berliner Frauenhäusern und der Kindernothilfe“, wurde Optiker Andreas Wittig mehrfach ausgezeichnet. (Foto: sabine Kalmus)

Westend. „Wer gibt, gewinnt“. Der Blick von Augenoptikermeister Andreas Wittig geht auf den sonnenbeschienenen Steubenplatz in Westend. Sein Lebensprinzip gilt für sein ehrenamtliches Engagement, für seinen Kiez, seine sechs Mitarbeiterinnen, seine Kunden …

Nein, Auszeichnungen wie die Bürgermedaille oder die Franz-von-Mendelssohn-Medaille, treiben Andreas Wittig nicht an. Aus einem persönlichen Selbstverständnis heraus setzt er sich für die fünf Berliner Frauenhäuser, die Kindernothilfe, die Arbeit der Kirche in Neu-Westend oder die acht- bis zwölfjährigen Kicker des Seeburger Fußballvereins ein. Nötig hätte er es wohl nicht.

Frauenfreundlicher Betrieb

Seit 1958 existiert das Optikergeschäft am gutbürgerlichen Standort in Neu-Westend. Als Hauptstadtoptiker gehört er einem ausgesuchten Qualitätsverbund an, der auf Kompetenz statt Kette, auf Klasse statt Masse setzt. Dazu passen auch sein Motto „Nur wenn es dem anderen gut geht, kann es auch mir gut gehen“ und seine frauenfreundliche Firmenpolitik. Sie hat ihm 2000 eine öffentliche Anerkennung als „Charlottenburgs frauenfreundlichster Betrieb“ eingebracht.

Dass er – unterstützt durch sein Mitarbeiterteam – insbesondere gegen häusliche Gewalt an Frauen und Kindern auftritt, führt er auf die „starken Frauen“ zurück, die ihn seit seiner Kindheit umgeben: die Großmutter, die jüdischen Mitbürgern half, die Eltern, die gemeinsam in den Nachkriegsjahren ein Geschäft aufbauten, seine Frau, die mit ihren Ideen seine selbstlose Arbeit auf den Weg gebracht hat, und die Tochter, die ihn selbstbewusst unterstützt.

Schockierende Schicksale

Als Unternehmer war er längst ein gestandener Mann, als er vor rund 13 Jahren auf die Nöte von Frauen aufmerksam wurde. Er ist einer der wenigen Männer, die ein Frauenhaus betreten durften. Dort erfuhr er von Schicksalen, die zu den „schrecklichsten und schockierendsten“ Berichten in seinem Leben gehören. „Hier werden Frauen, bei denen weder Alter, Bildungsstand noch Wohnumfeld eine Rolle spielen, durch unsagbare Gewalttaten aus ihrer Lebensmitte gerissen.“

Obwohl der 58-Jährige für die Schutzeinrichtungen ein wichtiger Unterstützer ist, sieht er sich selbst nur als „Organisator und Verteiler“. 2003 startete er in seinem Geschäft die erste Sammelaktion. Die Kunden brachten Kleidung, Kosmetik, Bücher, Lebensmittel, Spiele, Windeln. Die Aktion sprach sich herum und steckte immer mehr Menschen an. Im Laufe der Zeit verwandelte sich das Geschäft am Steubenplatz 3 auch zur Anlaufstelle für Menschen, die anderen etwas geben möchten. Andreas Wittigs Konzept, in Not geratenen Nachbarn und Mitbürgern zu helfen, erfüllte sich mit Leben.

Achtung vor den Mitbürgern

Längst haben die Mitarbeiterinnen das Thema auch zu ihrer eigenen Sache gemacht. Regelmäßig erhalten sie Zuwendungen, die in den Frauenhäusern und beim Kindernotdienst gebraucht werden. „Manchmal sind es Dinge, die einer geschundenen Seele einfach nur guttun“, sagt Andreas Wittig. Damit meint er eine Musik-CD, ein duftendes Duschbad oder einen Teddy. Ärgerlich wird er nur, wenn bei ihm Sachen „verramscht“ werden sollen. „Hinter jeder Spende sollte die Achtung vor unseren Mitbürgern stehen. Eine verdreckte Jacke gehört nicht dazu.“

Inzwischen hat er zusätzlich Kellerräume angemietet. Hier werden die Sachspenden gesammelt, gesichtet und verpackt. Irgendwann greift Andreas Wittig zum Telefon und wählt die Nummer des Inline-Kurierdienstes. „Mit dem habe ich eine Vereinbarung geschlossen“, erklärt der Netzwerker. „Er unterstützt – ebenfalls ehrenamtlich – unsere Aktion und bringt die Pakete zu den Einrichtungen.“

Dann ist die Zeit gekommen, in der Andreas Wittig gewinnt. Zum Beispiel, wenn er auf das Foto schaut, das vielfaches Kinderlachen zeigt. Zwei Frauen vom Kindernotdienst haben es im Geschäft vorbeigebracht. Oder wenn er die Dankbarkeit spürt, weil er Anteil am Schicksal misshandelter Frauen und Kinder nimmt. Und „ja“, sagt er, „die öffentlichen Auszeichnungen gehören auch dazu.“

Die positive Resonanz, die er, seine Mitarbeiterinnen und Kunden erhalten, sind ein persönlicher Gewinn: „Soziales Engagement lohnt sich für jeden.“ sabka
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