Professor Kurt Scheidler feierte 100. Geburtstag

Freunde und Wegbegleiter aus dem Frei-Zeit-Haus sangen Professor Kurt Scheidler zum Geburtstag ein Ständchen. (Foto: BW)
 
(Foto: BW)

Weißensee. Eine besondere Geburtstagsfeier richtete kürzlich das Frei-Zeit-Haus Weißensee aus: Professor Kurt Scheidler feierte seinen 100. Geburtstag. Nach seinem arbeitsreichen Berufsleben engagierte sich der damals bereits 76-Jährige ab 1990 dafür, dass aus dem Gebäude in der Pistoriusstraße 23 das Frei-Zeit-Haus wird.

Seinerzeit besetzten etwa 50 Senioren das Haus und bekamen es schließlich als Begegnungsstätte vom Runden Tisch zugesprochen. Dass das Haus inzwischen ein Ort ist, an dem es Angebote für alle Generationen gibt, ist ebenfalls Scheidler zu verdanken. Er war zwölf Jahre lang stellvertretender Vorsitzender des Frei-Zeit-Haus-Vereins, ehe er aus Altersgründen ausschied. Der Einrichtung selbst blieb er weiterhin verbunden. So war es einstigen Mitstreitern und heutigen Akteuren ein Bedürfnis, dem Jubilar eine Geburtstagsfeier auszurichten.

Kurt Scheidler kam Ende Juni 1914, wenige Wochen vor Beginn des Ersten Weltkrieges, zur Welt. Er studierte und promovierte in den 30er-Jahren in Berlin. Im Zweiten Weltkrieg war er zwei Jahre Truppenarzt. Danach arbeitete er ab 1946 als Oberarzt in Neukölln und dann in Prenzlauer Berg. 1948 wechselte er ans Krankenhaus Weißensee. Dort wurde er Chefarzt und Ärztlicher Direktor. Später arbeitete er in gleichen Funktionen im Krankenhaus Friedrichshain. In dieser Zeit, und zwar 1966, erfolgte die Ernennung zum Professor.

In den 60er-Jahren galt Kurt Scheidler schon als ein Pionier des DDR-Gesundheitswesens. Er baute in Weißensee die erste mit einem Krankenhaus organisch verbundene Poliklinik auf. Des Weiteren brachte er die Rehabilitationsmedizin nach Berlin und engagierte sich in der Altersmedizin.

Besondere Verdienste erwarb er sich bei der Organisation der Schnellen Medizinischen Hilfe in Ost-Berlin und dann in der gesamten DDR. Ab 1966 war er zunächst "Leiter der Problemkommission Dringende Medizinische Hilfe". Drei Jahre später wurde er zum "Leiter der Forschungsgruppe Schnelle Medizinische Hilfe", und 1984 ist er zum Gründungsvorsitzenden der Gesellschaft für Notfallmedizin der DDR gewählt worden. Diese Funktion hatte er bis 1987, als er in den Ruhestand ging, inne.

Doch so richtig zur Ruhe setzte er sich nicht. Ab 1990 engagierte sich Scheidler ehrenamtlich im Frei-Zeit-Haus. Dort agierte er nicht nur als stellvertretender Vereinsvorsitzender, er gründete auch die Veranstaltungsreihe "Mit Experten im Gespräch". Jeden Monat lud er Fachleute zu Vorträgen und Gesprächen ein. Die Themen, die sich an den aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen orientierten, führten weit über den medizinischen Bereich hinaus. Es ging um "sichere Renten", "Länderehe Berlin-Brandenburg", "Doping im DDR-Sport", um die Mietpreisentwicklung und vieles mehr. Zu Gast waren Senatoren, der Präsident der Ärztekammer, bekannte Sportler und auch der DDR-Kultreporter Heinz-Florian Oertel.

Inzwischen lebt Professor Scheidler in der Stephanus-Stiftung. Er selbst ist mit seinen 100 Jahren immer noch sehr rege. "Auch in diesem Punkt ist er für uns ein echtes Vorbild", sagt Anges Palzer, die heutige Vorsitzende des Frei-Zeit-Haus-Vereins.

Anlässlich des 100. Geburtstags von Professor Kurt Scheidler hat der be.bra verlag in Zusammenarbeit mit "Rohnstock Biografien" das Buch "Kurt Scheidler. Arzt mit sozialer Verantwortung" von Stefan Kappner herausgegeben. Das 208-seitige Buch ist mit 38 Fotos illustriert. Es ist für 19,95 Euro im Buchhandel (ISBN 978-3-8148-0205-3) erhältlich.

Bernd Wähner / BW
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