Vor zwei Jahren zog der Weltenbummler Roland Willaert an die Weißenseer Spitze

Roland Willaert wohnt seit zwei Jahren im Kiez an der Weißenseer Spitze. Jetzt zeigt er hier zum ersten mal eine Fotoausstellung. (Foto: Bernd Wähner)
 
In der neuen Ausstellung zu sehen: Ein Blick in die Goldmiene. (Foto: Roland Willaert)
Berlin: Weißenseer Spitze |

Weißensee. Als Kameramann und Fotograf ist Roland Willaert viel in der Welt herumgekommen. Doch jetzt ist er Neu-Weißenseer. Im fünften Teil der Serie „Unser Kiez – rund um die Weißenseer Spitze“ erzählt der Belgier, warum er dort eine Wohnung kaufte und was die Besucher seiner ersten Fotoausstellung in Weißensee erwartet.

Roland Willaert zückt sein kleines, schwarzes Notizbuch. Er fingert ein Bleistift aus der Jacke. Gerade hat er noch mit dem Galeristen Details für seine erste Ausstellung in Weißensee besprochen, und nun will der Berliner-Woche-Reporter ihn zum Heimischwerden an der Weißenseer Spitze befragen. Nicht auf alles kann er sofort antworten. Er hat schließlich ein äußerst bewegtes Leben. Auch jetzt noch, mit 65 Jahren. Er notiert sich, was er an Informationen nachreichen wird. Vor allem einen umfassenden Lebenslauf. Den bekäme er sowieso nicht chronologisch und lückenlos hin.

„Meine Fernsehkarriere begann ich 1973 als Kameramann beim Belgischen Fernsehen BTR in Brüssel“, sagt Willaert in akzentfreiem Deutsch. Dann war er beim WDR in Köln und bei der Bavaria Film. Anfang der 90er-Jahre holte ihn die Filmakademie Baden-Württemberg als Dozent. Er gründete Mitte der Neunziger eigene Produktionsfirmen und arbeitete bis 2007 als freier Produzent. Zu seinen bekanntesten Sendungen gehörten die Comedy-Reihen „Der Dicke und der Belgier“ mit Dieter Krebs und Carry Goossens und „Badesalz: Comedy Stories“. Es folgten Filme wie „Der Anwalt und sein Gast“. Seit einigen Jahren konzentriert sich Roland Willaert aber auf die Fotografie. Er leitet Workshops und zeigt seine Bilder in Ausstellungen.

Kreative Künstlerszene

Dass er nun mit seiner Frau an der Weißenseer Spitze wohnt, ist Zufall. „Wir suchten eine Wohnung in Berlin und sahen uns einiges an. Die sanierte Altbauwohnung an der Gustav-Adolf-Straße gefiel uns am besten“, sagt Roland Willaert. „Ich war schon zu DDR-Zeiten des Öfteren in Ost-Berlin und wusste, dass es in Weißensee eine kreative Künstlerszene gibt. Solch ein Umfeld mag ich. Ausschlaggebend für unsere Entscheidung war aber auch, dass wir von hier aus schnell in die Innenstadt kommen.“ Seit zwei Jahren hat der der Belgier seine Wohnung in Weißensee.

Dass er schnell mit Menschen aus seinem neuen Kiez in Kontakt kam, auch das ergab sich einfach so. „Als wir einzogen, war der Internetanschluss in der Wohnung noch nicht verlegt. Ich wollte meine E-Mails checken. Irgendjemand schickte mich ins Galerie-Café Emma T. Ich kam mit dem Inhaber Thomas Mascher ins Gespräch, und seitdem bin ich hier Stammgast.“

In den vergangenen zwei Jahren hat Willaert bei Emma T. viele alte und neue Kiezbewohner kennengelernt. „Die Leute hier sind sehr freundlich und offen“, fasst der Belgier seine Eindrücke zusammen. „Ich selbst rede zwar viel, höre aber auch sehr gern zu, was andere erzählen. Für mich ist es zum Beispiel äußerst interessant zu hören, wie die Menschen zu Zeiten der Mauer hier lebten. Da hört man wirklich spannende Geschichten. Ich habe den Kiez inzwischen richtig lieb gewonnen.“

Natürlich entdeckte der Neu-Weißenseer auch Defizite im Wohngebiet. „Es ist schade, dass so viele Läden leer stehen. Da muss sich wirklich was tun. Hier müssen echte Geschäfte her. Ich wünsche mir auch noch mehr Gastronomie“, sagt Willaert.

Erste Ausstellung im Kiez

Anfang des neuen Jahres zeigt er an der Weißenseer Spitze eine Ausstellung. Sie trägt den Titel „Schwarzes Gold“. „Im März 1986 war ich beruflich in der Serra Pelada in Brasilien“, so Roland Willaert. Im dortigen Mittelgebirge fand man Ende der 70er-Jahre Gold. Das löste einen Goldrausch aus, der bis zu eine halbe Million Goldgräber anlockte. Es waren überwiegend landlose Bauern und Abenteurer. Willaert nutzte die Chance, dort Menschen, ihre Hütten und die Arbeit in der Goldmiene zu fotografieren. „Ich entwickelte zwar seinerzeit die Filme, machte aber nie Abzüge“, erklärt er. „2014 fielen mir die Filme dann wieder in die Hände. Ich scannte sie und war angetan von der sozialen Relevanz der Bilder.“

Die Farbfotos zeigt er nun zum allerersten Mal in der Galerie Emma T. in der Lehderstraße 60. Eröffnet wird die Schau am 2. Januar um 19 Uhr. Die Ausstellung ist danach bis zum 4. März dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr zu sehen. BW

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