Is(s)t nicht egal: Regionale Initiativen für gesunde Ernährung im Kindesalter

Echte Ackerdemiker: Die Schüler der GemüseAckerdemie lernen praxisnah wie Gemüse angebaut und verarbeitet wird. (Foto: Ackerdemia e.V.)

Sontags Tochter hat es gut, ihr Vater ist Erfinder. Eigentlich nichts besonderes, wenn man bedenkt, dass Zehntausende Eltern zu Erfindern werden, um ihren Sprösslingen etwas Gesundes als Nahrung anzubieten. Schließlich spielt die Ernährung nicht nur für die aktuelle körperliche Verfassung eine Rolle, sondern zeigt Langzeitwirkung.

Bei Bernd Sontag jedoch lag die Sache anders. Seine Tochter war sieben, als sie an Diabetes erkrankte. „Als sie nach einem gewonnenen Basketballspiel aufgrund ihrer Erkrankung kein Siegereis essen konnte, kam die Idee auf, leckere Gebäcke für Menschen mit Diabetes, Allergien oder Lebensmittelunverträglichkeiten herzustellen“, so der dreifache Familienvater, der als BWL-Dozent zunächst wenig vom Keksebacken verstand.

Leckere Kekse

Sein Freund, Wolfgang Schwarz, Maschinenbauer bei einem großen Automobilhersteller, war zu Studienzeiten für ein Jahr in Italien, dort lernte er, Eis herzustellen und Cantuccini zu backen. Was folgte waren endlose Experimente der beiden. Inzwischen produziert die „KeksKonnektion“ aus Kleinmachnow 30 verschiedene Sorten Gebäck.

Ein ganz anderes Gebiet beackert die GemüseAckerdemie. Immer nur Nudeln mit Ketchup oder Pommes mit Mayo, auf keinen Fall Grünzeug­… – Eltern wie Erzieher kennen den bevorzugten Speisezettel der Kinder. Als ganzjähriges, praxisorientiertes Bildungsprogramm verfolgt der Ackerdemia e.V. das Ziel, Kindern und Jugendlichen eine höhere Wertschätzung für Lebensmittel und Landwirtschaft zu vermitteln. Das Programm richtet sich an Bildungseinrichtungen im Kinder- und Jugendbereich. Am Beispiel der Herstellung und Vermarktung von Gemüse erfahren die jungen Teilnehmer landwirtschaftliches Basiswissen, entwickeln Verständnis für gesunde Ernährung und lernen, wie Naturzusammenhänge wirken. Heraus kommen Zitate wie die einer Berliner Schülerin: „Ich hab vorher keine Zucchini gemocht und jetzt esse ich die einfach so roh. Und Rotkohl auch.“

Essen mit der Familie

Könnte nicht besser laufen, oder? Für Ronny Pietzner bleibt trotzdem viel Arbeit. Der Kochweltmeister und Unternehmer engagiert sich nicht nur in der Ernährungswirtschaft in Berlin-Brandenburg, er gehört auch zu den Initiatoren von „Yumme“ der Stiftung Ernährung-Bildung-Gesundheit. Der Experte unterstützt beispielsweise bei der Neugestaltung des Mittagsangebots für Schulen und entwickelt individuelle Konzepte rund um das Schulessen.

„Es ist niemals egal, was Kinder essen. Bereits im Kindesalter werden die Weichen für eine gesunde Lebensführung gelegt. Übergewicht oder Herz-Kreislauf-Probleme sind nicht selten auf eine einseitige Ernährung in der Kindheit zurückzuführen“, so Pietzner. Für ihn ist es aber ebenso wichtig, dass Kinder Essen als genussvolles, schönes Erlebnis kennenlernen, das die Familie verbindet. sabka
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