Künstler erinnern an Lyrikerin Gertrud Kolmar

Galerist Ulrich Eckardt in der aktuellen Ausstellung: Hinter ihm sind Arbeiten von Elisabeth Naomi Reuter zu sehen. (Foto: BW)

Weißensee. Künstlerische Arbeiten zur Dichterin Gertrud Kolmar (1894-1943) sind in der neuen Ausstellung der Galerie Abakus in der Parkstraße 104 zu sehen. Sie gilt als eine der bedeutendsten deutschen Lyrikerinnen des 20. Jahrhunderts.

Die jüdische Schriftstellerin hatte unter der NS-Diktator besonders zu leiden. Ihr dritter Gedichtband "Die Frau und die Tiere", der 1938 in einem jüdischen Verlag erschien, wurde nach der Reichspogromnacht vom 9. November 1938 eingestampft. Ihre Familie wurde zum Verkauf ihres Hauses und zum Umzug in ein sogenanntes Judenhaus gezwungen. Ab 1941 musste Gertrud Kolmar Zwangsarbeit leisten. Im Zuge der sogenannten Fabrik-Aktion der Nazis 1943 wurde sie am Arbeitsplatz verhaftet und in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Dort wurde sie nach heutigem Kenntnistand vor 70 Jahren ermordet. Mit dem Schicksal und dem Werk von Gertrud Kolmar beschäftigten sich vier bildende Künstler intensiv. Sie möchten an diese außergewöhnliche Lyrikerin erinnern. Ihre Arbeiten zeigen sie nun in einer Gemeinschaftsausstellung in der Galerie Abakus.

Der Berliner Filmemacher Sven Boeck recherchierte drei Jahre lang zu Gertrud Kolmars Zwangsarbeit in einer Lichtenberger Wellpappenfabrik. Er schuf danach die Videoinstallation "Herz Berg Straße", die in der Ausstellung zu sehen ist. Auf einem Bildschirm kann man die Wellpappenproduktion verfolgen, auf einem anderen sind statische Aufnahmen von der Fabrikhalle und ihrem mit Unkraut überwucherten Umfeld von heute zu sehen. Ruth Tesmar zeigt hingegen Holzdrucke zum poetischen Werk der Lyrikerin. Iwona Mickiewicz stellt Papierobjekte und Collagen aus, die zum Zyklus "Welten" von Gertrud Kolmar entstanden. Und Elisabeth Naomi Reuter zeigt Ölbilder zum Werk der Lyrikerin.

In der Ausstellung findet am 23. Juni um 17 Uhr ein Künstlergespräch "Wege zu Gertrud Kolmar" statt. Zu besichtigen ist die neue Ausstellung in der Galerie Abakus bis zum 30. Juni donnerstags bis sonnabends von 16 bis 19 Uhr sowie nach telefonischer Vereinbarung unter 801 50 42.

Bernd Wähner / BW
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