Noch gibt es etliche leer stehende Gewerberäume

Joachim Leffler (links) ist Gründer von FAHRER. Er stellt Accessoires für Radfahrer her. Um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert sich Boris Plücken. (Foto: BW)
 
Im voll belegten Kreativzentrum Goldleistenfabrik hat unter anderem Birgit Oder ihre Werkstatt. Sie fertigt für Schauspieler und Musiker Maßschuhe an. (Foto: BW)

Weißensee. Der Ortsteil entwickelt sich zu einem Magneten für Selbstständige in der Kreativwirtschaft. Noch gibt es aber auch genug Raum für Kreative.

Dieses Fazit lässt sich nach einem Rundgang durch den Südwesten von Weißensee mit Bürgermeister Matthias Köhne (SPD) und nach einer Gesprächsrunde mit Gewerbetreibenden ziehen. Eingeladen hatten die Wahlkreisabgeordnete Dr. Clara West (SPD) und Max E. Neumann von der Arbeitsgemeinschaft Selbstständiger in der SPD. Bisher gelten vor allem Mitte und Prenzlauer Berg als Ballungsräume für Selbstständige in der Kreativwirtschaft. Dort gibt es unzählige Verlage, Galerien, Medienunternehmen, Musikstudios und Modelabels. Dass die beiden Ortsteile für Kreative attraktiv sind, haben auch die Vermieter erkannt. Die Mietpreise für Ateliers und Büros schossen in die Höhe.Diese Entwicklung führte dazu, dass immer mehr Künstler und andere Kreative diese Kieze verlassen. Einige wanderten in den Weißenseer Südwesten ab. "Hier sind Gewerberäume noch bezahlbar, und man ist trotzdem sehr nahe an der Innenstadt", sagt Bettina Tacke. Die Journalistin hat ihren Arbeitsplatz in die Goldleistenfabrik in der Lehderstraße 16-19. Aus dem alten Fabrikgebäude entwickelte der Verein Start in den vergangenen fünf Jahren ein Zentrum für kreative Unternehmen. "Eigentlich wollte unser Verein neue Räume in Prenzlauer Berg finden. Aber dort gibt es kaum noch preiswerten leer stehenden Raum", berichtet Tacke, die für die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins zuständig ist. Dann wurde man auf das Gebäude der Goldleistenfabrik aufmerksam. Mit dessen Eigentümer kam der Verein schnell ins Gespräch und erhielt mit seinem Konzept den Zuschlag.

Jeder Arbeitsplatz dort kostet 100 Euro im Monat. Dafür können nicht nur die Arbeitsplätze, sondern auch Gemeinschaftseinrichtungen genutzt werden. Die Kreativen tauschen sich regelmäßig aus, und es werden auch Weiterbildungen angeboten. So entstehen auch Netzwerke. Mittlerweile haben 50 Kreative in der Goldleistenfabrik ihr Domizil gefunden. Die Bandbreite reicht von der Schuhmacherin, dem Fotografen und der Eventagentur über die Lektorin und Übersetzerin bis hin zum Gardinenstudio und Architekten. Mittlerweile gibt es sogar eine Warteliste, weil alle Plätze belegt sind. Weitere Informationen unter 44 35 69 92 sowie auf www.goldleistenfabrik.de.

Dass es aber auch noch genug Raum für Kreative und andere Gewerbetreibende gibt, darauf verweist Friedemann Preubsch von "Lichtblick-Optik" in der Gustav-Adolf-Straße. Von den 36 Läden in seiner Straße stehen zurzeit 21 leer. Vielfach liegt es am fehlenden Engagement der Vermieter, dass sich noch keine Interessenten fanden. Dabei trägt doch gerade eine gefüllte Ladenzeile dazu bei, dass eine Straße und damit der ganze Kiez als attraktiv wahrgenommen wird. Das wiederum komme dann auch den Vermietern zugute, so Preubsch. Mehr dazu auf www.gustav-adolf-strasse.de.

Bürgermeister Matthias Köhne bot den Gewerbetreibenden aus der Gustav-Adolf-Straße Unterstützung des Büros für Wirtschaftsförderung bei ihren Bemühungen an, den Leerstand zu vermindern. Denn offenbar haben die Kreativen diese Straße noch nicht für sich entdeckt.


Bernd Wähner / BW
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