Stefan Schridde schuf erfolgreichen Verbraucher-Blog

Stefan Schridde zeigt eine Elektrozahnbürsten. Der Akku ist so eingebaut, dass man eine neue Zahnbürste kaufen muss, wenn der Akku den Geist aufgibt. (Foto: BW)

Weißensee. Werden technische Geräte bereits so hergestellt, dass sie nach einer gewissen Zeit kaputtgehen? Mit diesem Thema beschäftigt sich seit einigen Monaten der Weißenseer Stefan Schridde intensiv. Er rief einen Blog ins Leben.

Dessen Erfolg ist überwältigend. Im zurückliegenden halben Jahr hatte er 2,3 Millionen Besucher. Schridde gilt inzwischen als Fachmann für dieses Thema. Er wird in Fernsehsendungen und zu Radio-Interviews eingeladen.Die Beschäftigung mit diesem Thema hatte für Stefan Schridde ganz beschaulich begonnen. "Ich saß in meinem Fernsehsessel und sah die Dokumentation ,Kaufen für die Müllhalde‘ von Cosima Dannoritzer", berichtet der Blogger. Ihm fielen sofort einige Produkte ein, mit denen er selbst schlechte Erfahrungen machte.

Da gibt es zum Beispiel die Reißverschlüsse an Jacken, die nach bestimmter Benutzungsdauer von allein aufreißen. Oder auch die Tintendrucker. Die zeigen manchmal schon an, dass die Patrone leer ist, obwohl erst ein Drittel der Tinte verbraucht ist.

Von diesem Thema angesteckt, begann der Weißenseer Informationen zu sammeln. So erfuhr er auch, dass Fachleute den vorgesehenen Verschleiß von Produkten als "geplante Obsoleszenz" bezeichnen. "Weil mit dem Wort Obsoleszenz nur wenige etwas anfangen können, suchte ich nach einem griffigen Namen für den Blog", erklärt Schridde. Deshalb ging er mit www.murks-nein-danke.de/blog ins Netz.

Die phänomenale Resonanz auf diesen Blog zeigt, wie viele Menschen dieses Thema interessiert.

Es gibt unzählige Produkte mit geplanter Obsoleszenz. Eines der geläufigsten Beispiele: In Waschmaschinen oder auch in Handmixern werden fast alle Getriebeteile aus Metall gebaut. Nur die Zahnräder, auf die es bei der Bewegungsübertragung wirklich ankommt, sind aus Plastik. Auf Schridde kam mit dem Blog und seiner steigenden Bekanntheit viel Arbeit zu. Unzählige Termine sind zu koordinieren. Anfragen hat er zu beantworten, und der Blog ist stets aktuell zu halten. Dass er das alles unter einen Hut bekommt, ist sicher seiner langjährigen Berufserfahrung zu verdanken. 25 Jahre arbeitete er als Projektmanager. "Natürlich schaffe ich das alles nicht allein", sagt er. "Ich habe inzwischen ein Netzwerk von über sechzig Experten um mich."

Nach dem Erfolg seines Blogs wird Stefan Schridde mit seinen Mitstreitern weitere Schritte gehen. "Wir planen die Gründung eines gemeinnützigen Vereins. Der wird eigene Geschäftsräume beziehen. Aus dem Blog soll ein richtiges Internetportal werden. Und natürlich werden wir mit Petitionen Gesetzesänderungen auf Bundesebene anregen. Die bestehenden Gesetze reichen für den Schutz der Verbraucher offenbar nicht aus." Um diese Vorhaben umsetzen zu können, sind weitere Unterstützer willkommen.

Infos gibt es auf www.murks-nein-danke.de/blog.

Bernd Wähner / BW
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