Raus aus der Massenunterkunft: Plattform vermittelt Flüchtlingen private Zimmer

Mareike Geiling hat inzwischen alle Hände voll zu tun. Über das Internetportal „Flüchtlinge willkommen“ wurden bislang mehr als 140 Personen vermittelt.
 

Berlin. Als Mareike Geiling und Jonas Kakoschke im vergangenen Dezember Bakary in ihrer WG aufnehmen, ahnen sie nicht, was sich daraus entwickelt. Denn Bakary ist ein Flüchtling. Und der erste von über 140 weiteren Geflohenen, denen die beiden Berliner ein neues Zuhause vermitteln.

Mareike und Jonas wollten das leer stehende Zimmer in ihrer Wohnung nicht wie sonst untervermieten, sondern einem Menschen anbieten, der seine Heimat verlassen musste. Weil sie die dramatische Flüchtlingssituation auf dem Oranienplatz beobachtet hatten, weil sie etwas tun wollten. Sie nahmen Kontakt zu einer Sozialarbeiterin auf, klärten alles Rechtliche. Und sie stellten fest: Eine Organisation, die privaten Wohnraum an Geflohene vermittelt, gibt es bisher nicht.

Deshalb gründeten sie „Flüchtlinge willkommen“. Im November 2014 gingen sie mit der gleichnamigen Internet-Plattform online. Die simple Idee: Wohnraumbietende können hier ihr freies Zimmer anbieten und Flüchtlinge können Zimmergesuche aufgeben.

Eine Flut von Anfragen

„Wir haben nicht gedacht, dass das Projekt so einschlägt“, sagt Mareike jetzt. Denn wenige Wochen später platzte ihr E-Mail-Postfach vor Anfragen, bundesweit wollten Menschen mitmachen, mithelfen. Was rein ehrenamtlich begann, entwickelte sich zu ihrem Fulltime-Job. Durch den Gewinn einer großen Fördersumme können sie mittlerweile ein 8-köpfiges Team finanzieren. Ableger haben sich in sieben weiteren EU-Ländern gegründet. Doch ohne die 60 Ehrenamtlichen, die sich bundesweit um Kommunikation und Akquise kümmern, würde es nicht funktionieren.

Da die Zimmer mindestens drei Monate und länger vermietet werden, läuft jede Vermittlung neuer Mitbewohner über die Mitarbeiter von „Flüchtlinge willkommen“. Das ist aufwendig und braucht Zeit.

Individuell abgestimmt

Bakary war der erste Flüchtling, den sie gleich an sich selbst vermittelten. „Die Vermittlung muss individuell abgestimmt werden, damit es längerfristig passt. Die Flüchtlinge sollen ja raus aus den Massenunterkünften und nicht gleich wieder rein, wenn das Zusammenleben nicht passt“, sagt Mareike. Deshalb fragen sie nach Wünschen und Vorstellungen, achten darauf, dass Flüchtling und Wohngemeinschaft gut zusammen passen. Über 140 Mal hat das bisher sehr gut funktioniert - bei WGs, Paaren und Familien. Streit und Auszug gibt es nicht.

„Schade ist nur, dass sich 80 Prozent der Menschen, die bei uns Wohnraum anbieten, nach der ersten Online-Anmeldung nicht mehr melden“, sagt Mareike. Sie vermutet, dass die aktuelle Situation vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) und anderswo zunächst den Wunsch entstehen lässt, schnell zu helfen. Aber dann bekommen viele eben doch kalte Füße. An der Finanzierung des Zimmers kann das nicht liegen. Denn die wird in fast allen Fällen durch den Senat übernommen – unabhängig davon, ob sich die Geflohenen noch im Asylverfahren befinden oder eine Duldung erhalten haben.

"An der Finanzierung soll es nicht scheitern"

Die Zimmermiete, die übernommen wird, richtet sich nach den Hartz-IV-Sätzen und dem Mietspiegel der Stadt. In Berlin wird die Miete für ein Zimmer daher bis etwa 380 Euro gezahlt. „Und wenn nicht, dann regeln wir das durch Spenden. An der Finanzierung soll es nicht scheitern“, sagt Mareike. Aktuell ist der Bedarf an Wohnraum und Spenden hoch, aber auch an Ehrenamtlichen, die den Einzug betreuen. Elisa von Hof

Auch beim Evangelischen Jugend- und Fürsorgewerk kann man Wohnraum für Flüchtlinge melden unter  964 67 82 43 oder per E-Mail: wohnraum-fuer-fluechtlinge@ejf.de. Weitere Informationen gibt es auf www.fluechtlinge-willkommen.de. Wer Flüchtlingen auf andere Weise helfen möchte, kann sich an die Informationshotline für Flüchtlingsengagement der Stiftung Gute-Tat unter  39 08 83 99 wenden. Weitere Informationen zu Flüchtlingen in Deutschland: www.mawista.com/
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