Ernst-Adolf-Eschke-Schule hat die "Schulbibliothek des Jahres"

Erst vor der Greenscreen, später in der App: Zweitklässler der Ernst-Adolf-Eschke-Schule gebärden unter Regie von Medienpädagogin Anne Rinn einen Comic. (Foto: Matthias Vogel)
 
Erst vor der Greenscreen, später in der App: Zweitklässler der Ernst-Adolf-Eschke-Schule gebärden unter Regie von Medienpädagogin Anne Rinn einen Comic. (Foto: Matthias Vogel)
Berlin: Ernst-Adolf-Eschke-Schule |

Westend. Lesen gehörlose Kinder genau so wie hörende Kinder? Nein: „Für Gehörlose ist Deutsch eine Fremdsprache, das wird gerne vergessen. Sie haben wahnsinnige Mühe, Bücher zu lesen“, erläutert Medienpädagogin Anne Rinn. Deshalb geht die Ernst-Adolf-Eschke-Schule in der Waldschulallee 29 neue Wege – und wurde jetzt dafür belohnt.

Die drei „Raupen“ aus der 2. Klasse der Ernst-Adolf-Eschke-Schule stehen vor der Greenscreen und gebärden unter Anleitung von Anne Rinn und mit viel Vergnügen einen Comic über einen Vampir, der zum Zahnarzt muss. Die Medienpädagogin wird später aus den Filmaufnahmen einen geeigneten Schnipsel isolieren und als "Erklärfilmchen" einer Datenbank zufügen. So komplettiert sich nach und nach ein innovatives Projekt, für das die Bücherei der Gehörlosen-Förderschule gerade erst zu „Berliner Schulbibliothek des Jahres“ ausgezeichnet wurde.

Fachbegriffe erklären

Die Schulleitung hatte diese Idee der modernen, bilingualen Leseförderung, umgesetzt hat sie Anne Rinn in Zusammenarbeit mit einem externen Informatiker. Wird beispielsweise im Sachkunde-Unterricht ein neues Kapitel mit neuen physikalischen Fachbegriffen gelehrt, holt sich Rinn einzelne Schüler beziehungsweise Gruppen vor ihre Kamera in der Schulbibliothek und lässt sie diese Begriffe in Gebärdensprache erklären. „Mit einem Synonym gebe ich mich nicht zufrieden, was wir machen, nennt sich Bedeutungserklärung“, so Rinn. Der entsprechende Film in der Datenbank lässt sich fortan in jedem Klassenzimmer der Schule aufrufen.

Ganze Bücher übersetzt

Die drei „Raupen“ waren bereits mit einer Weiterentwicklung der ursprünglichen Idee beschäftigt. „Wir übersetzen auch ganze Bücher in Gebärdensprache“, sagt Rinn. Über eine später entwickelte App können die Kinder diese wie in einem Buch auf ihrem Tablet lesen, „also mit umblättern“, wie Rinn erklärt. Verstehen sie Inhalte oder einzelne Wörter nicht, reicht ein Klick für das Gebärden-Video. „Interaktiv und sehr motivierend für die Schüler. Gerade wenn sie sich selber bei der Übersetzung sehen.“ Wie in einem fremdsprachlichen Buch für Hörende findet sich hier ebenfalls eine Vokabelliste.

Jury war beeindruckt

Die Arbeitsgemeinschaft Schulbibliotheken Berlin-Brandenburg e.V. hatte in der Ausschreibung zum Wettbewerb „Berliner Schulbibliothek des Jahres“ und „Brandenburger Schulbibliothek des Jahres“ nach dem besten Konzept zur Entwicklung von Medien- und Informationskompetenz durch die Schulbibliothek gesucht – und wurde an der Ernst-Adolf-Eschke-Schule fündig. „Ich glaube, dieses „Buch lesen und dann rein in die Medien“ hat die Jury beeindruckt und dass Schüler für Schüler erklären“, sagt Rinn. „Wir haben uns mit einem Video beworben, weil wir etwas Neues machen. Ich hätte aber nicht damit gerechnet, dass wir gewinnen.“

500 Euro Preisgeld gibt es für den Sieg. Geld, das wohl auch in neue, für die Datenbank in Gebärdensprache zu übertragene Bücher investiert wird. So begeistert die kleinen „Raupen“ am Werk waren, können sie es sicher kaum erwarten. maz
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