Tennis Borussia und die Politik der kleinen Schritte

Lila-Weißer Erfolgsgarant: In der laufenden Spielzeit erzielte Michael Fuss schon 14 Treffer. (Foto: Jan Buschbom)

Westend. Festtagsstimmung im "Mommse"! Am 8. November feierten 356 Zuschauer ihre "Veilchen". Tennis Borussia hatte soeben die Füchse Berlin mit einer derben 6:0-Packung in Richtung Reinickendorf verabschiedet.

Damit festigte TeBe den Platz in den oberen Regionen der Berlin-Liga-Tabelle - mit Blickkontakt zur Spitze.Nach einigen finanziell und sportlich schwierigen Jahren scheinen die Lila-Weißen so langsam wieder besseren Zeiten entgegen zu gehen. "Insgesamt sehen wir die Entwicklung unserer 1. Herren positiv", weiß TeBe-Pressesprecher Denis Roters zu berichten. Allerdings, so Roters weiter, müsse man noch weiter am Feintuning arbeiten. Mit der gegenwärtigen Situation können die Veilchen nicht zufrieden sein. Der Club hat eine erstklassige Jugendabteilung, aus der sich nun regelmäßig die Konkurrenz bedient, da TeBe den eigenen Talenten derzeit keine reizvolle sportliche Perspektive bieten kann.

Auf der anderen Seite hat der Club gerade erst die schmerzvollen Erfahrungen einer Insolvenz - Resultat blanker Großmannssucht - überwunden. Insofern ist es beruhigend, dass in der Chefetage nicht wieder an hochtrabenden Plänen gearbeitet wird. "Wir sind auf einem guten Weg und wollen nicht unbedingt fester Bestandteil der Berlin-Liga werden", stellt Roland Weißbarth, Vorstandsvorsitzender der "Veilchen", fest. Aber, so Weißbarth weiter, man müsse der Realität ins Auge schauen und könne eben nur das umsetzen, was finanziell auch machbar sei. Die Einstellung ist auf jeden Fall vernünftig und auch richtig. Für den Club ist die augenblickliche Situation trotzdem ein Ritt auf der Rasierklinge. Jedes weitere Jahr in der Sechstklassigkeit macht den Aufstieg zurück in den überregionalen Fußball nicht gerade leichter.

Im Augenblick müssen die Lila-Weißen noch gute Miene zum bösen Spiel machen, wenn die Konkurrenz die Talente aus den TeBe-Nachwuchsteams weg lockt. Im Club hat man die Problematik längst erkannt und arbeitet auch daran. "Unsere gute Jugendarbeit stellt keinen Selbstzweck dar", bringt Pressesprecher Roters die Dinge auf den Punkt. Auch er weiß, dass "höherklassiger Fußball das eine oder andere Talent an den Club binden würde".

Auch wenn man das im Mommsenstadion nicht gerne hören wird: Tennis Borussia ist auf jeden Fall eine Bereicherung der Berlin-Liga - und das nicht nur sportlich. Wenn TeBe mit seinen reiselustigen Fans zum Gastspiel anrückt, klingelt es in den Kassen der Gegner. Die Vereinsschatzmeister im Berliner Spitzenamateurfußball waren in den vergangenen Jahren Zuschauerzahlen im mittleren zweistelligen Bereich gewohnt. Was die Lila-Weißen und ihre Fanscharen angeht, so bleibt festzuhalten, dass der Traditionsverein zumindest einen Teil seiner ehemaligen Strahlkraft (noch) nicht verloren hat. Ein Anfang für einen Weg in eine bessere Zukunft.


Fußball-Woche / ww
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