Fahr-Check prüft das Können von Oldies am Steuer

Tadellose Tour: Fahrlehrer Michael Borucu fühlt sich im Wagen von Wolf-Rüdiger Weber sicher aufgehoben. (Foto: Schubert)

Westend. Wenn sich Sinne trüben und Flüchtigkeitsfehler häufen, dann kann eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit Klarheit bringen. Die Berliner Woche begleitete einen Kandidaten im Fahr-Fitness-Check des ADAC.

Im Auto von Wolf-Rüdiger Weber ist Platz genug für ein bisschen Déjà-vu. Wie einst bei der Fahrprüfung, so will er auch nun, mit 74 Jahren, fehlerfrei durchkommen. Aber dies ist ein freiwilliges Vergnügen. Bei der Prüfung anno dazumal hieß die Frage: Bin ich reif für die Straße? Der Fahrfitness-Check des ADAC will ermitteln: Bin ich es noch immer?

An Webers Tauglichkeit, so viel sei gleich gesagt, kann kein Zweifel bestehen.

Geschmeidig pflügt er mit seinem Mercedes durch das mittägliche Getümmel in den Straßen Westends, zirkelt die Fünf-Meter-Fuhre sauber in eine nicht gerade üppige Parklücke. Neben ihm: Michael Borucu von der Fahrschule Beger. Es ist eine der entspanntesten Touren der vergangenen Wochen. Denn alle Fragen, die sich Borucu bei Checks wie diesem stellen, beantwortet sein Prüfling in der Praxis mit einem Ja. "Kann er die Schilder früh genug erkennen und die Abstände einschätzen? Weiß er, wer die Vorfahrt hat? Das ist es, worauf wir achten müssen", hält der Lehrer fest.

Dergleichen kann Probleme bereiten, wenn das Augenlicht schwindet und die Aufmerksamkeit erlahmt. Und Schulterblicke müssen auch dann erfolgen, wenn es schmerzt. In welchem Alter man die Überprüfung in Betracht ziehen sollte? "Das kann man pauschal nicht sagen", erwidert Borucu. "Aber ab 65 sollte man darüber nachdenken."

Während Wolf-Rüdiger Weber stoisch die Spur hält, erzählt der Fachmann vom anderen Extrem: einem hoch betagten Schlaganfall-Patienten, dem sein Sohn einen Check empfahl. "Als ich ihn sah, läuteten bei mir die Alarmglocken", erinnert sich Borucu. Vorsichtshalber ging man mit einem Wagen ins Rennen, der notfalls vom Beifahrerplatz zu steuern ist. Und tatsächlich: Zum Tritt aufs weiche Gaspedal langte es noch. Doch für einen beherzten Tritt in die Bremse erwiesen sich die Muskeln als zu schwach. Wäre Borucu an der Beifahrer-Pedalerie nicht eingeschritten - dieser Fahrfitness-Check hätte wohl im Krankenhaus geendet. "Verbieten kann ich solchen Teilnehmern das Fahren ihres Autos nicht", sagt er. "Aber ich bin ganz ehrlich und rate dringend davon ab. Die Fahrt an sich bleibt unser Geheimnis."

Bei der Tatsache, dass Wolf-Rüdiger Weber seinen Check bestanden hat, muss er kein Stillschweigen üben. Ein letztes Einparkmanöver vor der Fahrschultür am Kaiserdamm - und das Zertifikat ist sicher. Prüfung bestanden. Wie beim ersten Mal.

Wer an einem Fahr-Fitness-Check zu Preisen ab 49 Euro teilnehmen möchte, wendet sich an Klaus-Ulrich Hähle vom ADAC Berlin-Brandenburg, der Buchungen unter 86 86 475 entgegennimmt.

Thomas Schubert / tsc
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