Mehrere Initiativen kämpfen in Wilhelmsruh für eine verkehrsberuhigte Hauptstraße

Die Hauptstraße wird von vielen vor allem als Durchgangsstraße genutzt. (Foto: Bernd Wähner)
 
Anke Lobmeyer setzt sich für eine höhere Taktdichte beim 122er Bus ein. (Foto: Bernd Wähner)

Wilhelmsruh. Der Senat hat offenbar noch keine Idee, wie man durch Verkehrsberuhigung die Attraktivität der Hauptstraße erhöhen kann. So interpretieren Anwohner die Absagen von Einladungen zu einer Bürgerversammlung seitens des Senats.

Die Hauptstraße ist eigentlich die Einkaufsmeile im Ortsteil. Sie hat einen breiten Gehweg, und es könnte durchaus eine abwechslungsreiche Ladenzeile geben. Aber kaum einer will dort entlang flanieren. Der stetig rollende Verkehr stört erheblich. Die Hauptstraße wird von vielen nur als Durchgangsstraße genutzt.

Und da beißt sich die Katze in den Schwanz. Zu wenige Wilhelmsruher gehen in der Hauptstraße einkaufen. Sie fahren lieber ins Märkische Viertel oder nach Pankow. Das führt dazu, dass immer wieder Läden schließen müssen, weil sie zu wenige Einnahmen haben. Und weil das Angebot ausgedünnt ist, kommen noch weniger Wilhelmsruher dorthin zum Einkaufen.

Gewerbetreibende und engagierte Wilhelmsruher sind sich einig: Zunächst muss man das Verkehrsproblem in den Griff bekommen. Dann wird sich auch Stück für Stück die Einkaufs- und Lebensqualität verbessern. Damit sich engagierte Anlieger zu diesem Thema austauschen können, lud die Linken-Politikerin Eveline Lämmer zu einer Bürgerversammlung in die Aula des Horts Eins ein.

Nicht nur Anlieger, auch Vertreter des Senats wurden zu dieser Zusammenkunft ausdrücklich eingeladen. „Ich bemühte mich sehr intensiv um die Teilnahme von Experten aus der Verwaltung. Leider erhielt ich fünf Absagen“, so Eveline Lämmer. „Auch das Angebot, ein schriftliches Statement zur Verfügung zu stellen, wurde abgelehnt.“ Lars Klinkmüller, der ein Wilhelmsruher Urgestein ist und die Bürgerversammlung leitete, kommentiert: „Das zeigt uns einmal mehr, welchen geringen Stellenwert die Probleme der Randortsteile offenbar in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung haben.“

Umso lebhafter war allerdings die Diskussion auf der Bürgerversammlung. Es zeigte sich, dass es bereits mehrere Initiativen gibt, die sich um die Lösung von Verkehrsproblemen und die Steigerung der Attraktivität der Hauptstraße bemühen.

So gründeten Michael Scheibner-Aden und Patrik Schöneborn zum Beispiel eine Nachbarschaftsinitiative gegen den Verkehrslärm auf der Hauptstraße zwischen Kopenhagener und Möllersfelder Straße. Sie sammelten binnen kurzer Zeit 200 Unterschriften für Tempo 30 auf der Hauptstraße. Die schickten sie an den Senat. „Wir bekamen zwei Zwischenbescheide, aber mehr nicht. Wir fühlen uns von der Verwaltung hingehalten.“

Hingehalten fühlen sich auch André Lohmar und die Mitstreiter seiner Anlieger-Initiative. Diese setzen sich bereits seit 2012 für eine Lärmreduzierung auf der Hauptstraße sowie die Einrichtung einer verkehrsberuhigten Zone an der Kreuzung Haupt- und Schillerstraße ein. Messungen ergaben, dass diese Forderung zu Recht besteht. Zu allen Tageszeiten werden die Höchstwerte überschritten. „Außer einem umfangreichen Schriftverkehr hat sich bisher noch nichts getan“, sagt André Lohmar.

Der Autoverkehr im gesamten Ortsteil könne reduziert werden, wenn der Bus der Linie 122 jederzeit, auch am Wochenende, in einem kürzeren Takt fahren würde, ist sich Anke Lobmeyer sicher. Dann würden viele Menschen eher Bus als Auto fahren. Deshalb initiierte die Anwohnerin eine entsprechende Initiative. Sie sammelte 800 Unterschriften, die sie demnächst der BVG oder dem Senat übergeben will. Auch eine Initiative von Gewerbetreibenden entlang der Hauptstraße sowie der Verein „Leben in Wilhelmsruh“ setzen auf Verkehrsberuhigung an der Hauptstraße und auf ein Verkehrskonzept für den ganzen Ortsteil.

Weil alle Bemühungen bislang keinen Erfolg brachten, schlägt Eveline Lämmer vor, die Kräfte aller Initiativen zu bündeln. Die Bürgerversammlung versteht sie als Bestandsaufnahme der Situation und als eine Möglichkeit zum Kennenlernen der Akteure. Demnächst soll es ein Folgetreffen geben, auf dem dann das gemeinsame Vorgehen besprochen werden soll. BW
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