Jetzt planen Bürger: Initiative präsentiert eine Vision für den Gerhart-Hauptmann-Park

Alle Anrainer im Boot: Jasmin Dulic (3.v.r.) von der BI Fasanenplatz weiß Politiker, Kulturschaffende und Professoren an seiner Seite. (Foto: Thomas Schubert)
 
Neuer Freiraum: Zwischen den Gebäuden der UdK und der Festspiele soll ein Platz entstehen, den Kulturgrößen des Kiezes gemeinsam bespielen. (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Gerhart-Hauptmann-Park |

Wilmersdorf. Von einem unbestimmten Stadtraum zum Kulturquartier – das ist der Weg, den die BI Fasanenplatz und ihre Partner anpeilen. Doch für den fraglichen Teil des Gerhart-Hauptmann-Parks hat ein neuer Eigentümer ganz andere Pläne. Und er blieb der Präsentation des Bürgerkonzepts fern.

Ein grünes Dreieck mit Entwicklungschancen, lauter namhafte Anrainer, dazu hochengagierte Bürger – sollte da eine gemeinsame Vision nicht realistisch sein? Der Gerhart-Hauptmann-Park hätte so gesehen tatsächlich die besten Voraussetzungen für eine Verwandlung – denn die örtliche Bürgerinitiative, die Universität der Künste, das Haus der Berliner Festspiele und die „Bar jeder Vernunft“ sind in ihren Vorstellungen einer kulturbetonten Zukunft an diesem Ort so dicht beieinander wie noch nie. Sogar die Akademie der Künste klinkte sich jetzt ein und half bei der Präsentation des Plans für ein Quartier nach Maß. Sie hob das Wilmersdorfer Projekt sogar in die neue Ausstellung „Demo:polis“, eine Schau, die anhand von sieben Beispielen aufzeigt, wie Bürger die Stadt gestalten – nicht Investoren.

Gedankenaustausch ohne Investor

So lud Baukunst-Professor Wilfried Wang alle Beteiligten nun zum Gedankenaustausch in eine enge, hölzerne Rotunde. Fern blieb aber ausgerechnet der Investor. Allein er hätte es in der Hand, das ersehnte Kulturquartier mit einem Schlag zu öffnen, wenn er denn anderes im Sinn hätte als den Bau von neuen Gebäuden. Etwas, das schon zwei Eigentümer vor ihm versuchten, ehe sie entnervt aufgaben. Einer wollte ein Hochhaus, der andere einen Riegel. Nichts davon wollten die Bürger.

Und der Zusammenschluss um Peter Gnielczyk und Jasmin Dulic, bekannt als BI Fasanenplatz, sorgte dafür, dass im grünen Dreieck zwischen Bundesallee, Meierotto- und Schaperstraße baulich alles so blieb wie es ist. Nun will die Initiative den Plan des neuen Investors mit der ersten eigenen Vision kontern, „weil wir immer schon gestalten wollten und nicht nur verhindern“, wie Dulic betont. Erstellt haben die Bürger das Konzept mit dem Schweizer Architekten Guido Hager, den Berliner Festspielen, der Universität der Künste und dem stadtentwicklungspolitischen Sprecher der Berliner CDU-Fraktion, Stefan Evers.

Mehr Park, neue Cafés

Mehr Park, neue Cafés und ein neuer Standort für die „Bar jeder Vernunft“ direkt am Straßenrand – das sind die wichtigsten Merkmale des Masterplans. Alles steht und fällt aber damit, wie man das potenzielle Kulturquartier von der Parkplatte an der Schaperstraße befreit. „Sie sitzt dort wie ein Pfropfen“, bemängelt Professor Wang den Ist-Zustand. Käme der Pfropfen weg, erhielte man am oberen Ende des Areals einen Freiraum, den die UdK, die Festspiele und andere Kulturschaffende abwechseln bespielen können. Möglicher Name: Gerhart-Hauptmann-Platz. Nun gehört die Parkplatte aber zu zwei Dritteln dem neuen Investor und zu einem Drittel der UdK. Und Aussicht auf die Verwirklichung seines Bauvorhabens hat der Eigentümer derzeit nicht. Was droht, ist eine Blockade. Die Fortsetzung des städtebaulichen Nichtstuns.

Doch für die Visionäre kein Grund, ihre Idee gleich wieder zu verwerfen. „Jetzt hat man ein Ziel für die Triebkraft der Bürger. Etwas, worauf es sich zuzusteuern lohnt“, meint Stefan Evers. Auch Baustadtrat Marc Schulte (SPD) sieht den Charme der Idee, warnt aber vor einer „Wohlfühlplanung“. Denn das Einbeziehen des Investors und der Umgang mit seinem Verwertungsinteresse fehle bisher. Was kann man unternehmen, um den Eigentümer zum Einstieg zu bewegen? Was bietet man ihm als Gegenleistung anbieten? Das sind für Schulte die wichtigsten Fragen.

Aber schon einmal gelang es den Bürgern bei ungünstigsten Vorzeichen, den Bund zum Aufkaufen des Hauses der Berliner Festspiele zu bewegen und damit einen Investor auszuschalten. Könnte es möglich sein, dass der Bund auch den jetzt umstrittenen Teil erwirbt und damit von Begehrlichkeiten befreit? Stefan Evers hält das nicht für ausgeschlossen, und sieht eine Lösung ohnehin nur auf lange Sicht. „Es braucht jetzt Lobbyarbeit und Durchhaltevermögen auf einer längeren Strecke“, stellt er sich hinter die Vision. Und kann auf eine Initiative bauen, die beim Armdrücken gegen Investoren bisher immer die nötige Hebelwirkung fand. Professor Wang beschreibt die Ausgangslage lyrisch: „Wir haben die Füße auf dem Boden und den Kopf im siebten Himmel.“ tsc
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