Ein Wochenende in der Volkshochschule

Berlin: Volkshochschule City West |

Bericht über einen gelungenen Selbstversuch

Die Volkshochschule (VHS) kennen wir alle. Doch wer von uns hat dort schon mal einen Kurs belegt? Ich bis vor wenigen Tagen nicht. Zuerst war ich mir unsicher, hängen doch diverse Klischees an der VHS. Bereut habe ich meinen Kurs keineswegs.

Alles begann mit der Idee zur Weiterbildung. Denn ein kluger Kopf sagte schon vor langer, langer Zeit: Wer rastet, der rostet.
Gut, ich bin erst Mitte dreißig und fühlte mich für die Volkshochschule viel zu jung. Übrigens eines dieser Klischees, die absolut nichts mit der Wirklichkeit zu tun haben.

Programmauswahl im Web

Das Angebot ist riesig. Es gibt Kurse zu fast jedem erdenklichem Thema. Da ich den Weg zur VHS direkt scheute, informierte ich mich über das Internet. Der Webauftritt der Berliner Volkshochschulen kann sich durchaus sehen lassen. Alle wichtigen Informationen werden geboten, ohne dass der Laie viel suchen muss. Ein großer Pluspunkt.
Hat man sich für einen Beruf oder eine mögliche Kursbezeichnung entschieden, kann der Begriff bequem über die Suchmaske eingegeben werden. Jetzt offenbart die Internetpräsenz ihre Stärke. Geordnet nach Bezirken und passenden Kursen wird das Angebot präsentiert. Jetzt liegt es nur noch am Kursteilnehmer, sich für ein Angebot zu entscheiden. Bei mir hat es etwas gedauert, habe ich mir das gebotene Programm doch sehr genau angesehen. Meine Wahl viel auf "Journalistisches Schreiben".
Die gesamte Anmeldung erfolgte Online. Einige Tage später kam, per Post, die Anmeldebestätigung. Im Übrigen sind die Kursgebühren vorher zu bezahlen. Via Onlinebanking oder in der zuständigen Volkshochschule.

Ein Wochenendkurs

Endlich war es soweit. An einem Freitagabend ging ich das erste Mal in meinem Leben zur Volkshochschule. Vor meinem geistigen Auge sah ich mich schon in einem Raum mit lauter Menschen der Generation 60+. Klischees halt. Das ich bereits in kürzester Zeit eines Besseren belehrt wurde, brauche ich wohl kaum zu erwähnen. Dennoch gehört es zur Chronistenpflicht. - Mein gewählter Kurs umfasste insgesamt acht Teilnehmer. Außer mir gab es noch zwei etwas ältere Damen. Ansonsten hatten wir alle ein Alter. Auch die Gründe für die Teilnahme am Wochenendkurs waren sehr vielfältig. Von jungen Eltern in Elternzeit, neugierigen Reportern bis hin zum rüstigen Rentner, es wurde alles geboten.

Auch die Kursleiterin, eine Journalistin, war überraschend jung. Auch hier habe ich wohl zu sehr in Klischees gedacht. Oder habe ich mich zu sehr an den gängigen Bildern aus dem TV orientiert. Sei es drum. Eine bessere Lehrgangsleiterin hätte man nicht engagieren können.

In den Tagen vor dem Kurs hatte ich mir viele Gedanken gemacht. Ich hatte keine Ahnung, was mich hier erwarten würde. Mit Absicht hatte ich nicht gegooglt. Wollte ich doch unbefangen an die ganze Materie gehen.
Zu meiner Freude legte unsere Kursleiterin sehr viel Wert auf praktische Übungen. Nach relativ kurzen Erklärungen und Einweisungen, ging es sehr schnell an die Praxis. Nach einer schriftlichen Alleinarbeit wurden die Resultate anschließend von der Gruppe gemeinschaftlich analysiert und besprochen. Aus meiner Sicht ist ein erhöhter Lerneffekt gegeben.
Mit jeder Aufgabe stieg der Schwierigkeitsgrad. Wobei, der Begriff Schwierigkeitsgrad ist hier absolut fehl am Platze. Denn im Gegensatz zur Schule waren alle Teilnehmer freiwillig hier. Das merkte man auch. Die Gruppe war lernwillig und überaus wissbegierig. Es gab viele Zwischenfragen, die die Fachfrau gerne und sehr kompetent beantwortete.

Das eigentliche Kurshighlight fand am Samstagnachmittag statt: Ziel des Tages war ein Portrait zu erstellen. Nicht von einem Prominenten, sondern von einem anderen Kursteilnehmer. Rasch bildeten sich Paare. Dann ging es raus an die frische Luft. Während eines Interviews, dessen Fragen nicht vorgegeben waren, sollten wir möglichst viel über einander in Erfahrung bringen. Gesagt getan. Meine Partnerin und ich hatten viel Spaß. Die veranlagten 30 Minuten pro Nase überzogen wir locker. Die Chemie stimmte.

Am Sonntag war dann der große Schreibtag gekommen. Nach einer kurzen Besprechung ging es ans Eingemachte. Es sollte tatsächlich ein Portrait erstellt werden. Zeit hatten wir dafür relativ viel. Also 120 Minuten. Oder zwei Stunden. Etwas schwieriger wurde es mit der Textlänge. Um einen gewissen Schwierigkeitsgrad in die Übung zu bringen, wurde auf 3000 Zeichen (inklusive Leerzeichen) beschränkt. Klingt im ersten Anlauf nach ganz vielen Platz, reicht aber nicht wirklich. Beziehungsweise die große Kunst war die Beschränkung auf das Wesentliche. Wie unterschiedlich dieser Punkt bewertet wurde, brachten die folgenden Portraitvorstellungen ans Licht. Wir hatten viel zu lachen. Jeder Kursteilnehmer erkannte sich wieder.

Fazit

Das Wochenende und der zweieinhalb Tage dauernde Kurs waren viel zu schnell vorbei. Ich hatte das große Glück, interessante Menschen kennen lernen zu dürfen. Gelernt habe ich auch sehr viel. Auf manche Vorgänge im "journalistischen Schreiben" bekam ich eine ganz neue Sichtweise.
Ich würde jederzeit wieder einen Kurs an der VHS belegt und kann dies nur jedem empfehlen. Vielleicht kostet der Anmeldeschritt Überwindung, doch er lohnt sich.
0
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.