Michael Roeder birgt historisches Kiez-Wissen

Michael Roeder (Foto: Michael Roeder)
 
Das Wohn- und Geschäftshaus am Henriettenplatz heute, so wie der Architekt Helmut Ollk es zusammen mit Gert v. Schöppenthau entworfen hat. (Foto: Matthias Vogel)
Berlin: Ollk-Haus |

Michael Roeder heißt der Mann, der den "Kiez-Kompass" der Berliner Woche um ein Kapitel erweitert. In bereits 50 Texten hat er die Geschichte von Plätzen, Straßen und Personen des Bezirks beleuchtet, jetzt veröffentlicht er sie nach und nach im Internet – wie etwa das Porträt des Architekten Helmut Ollk, den vorher kaum jemand kannte.

Roeder ist 72 Jahre alt, wohnt in Wilmersdorf, ist Historiker und war vor seiner Pensionierung als Gymnasiallehrer tätig. "Mit Beginn meines Ruhestands hatte ich die Zeit, genauer hinzusehen", sagt er. Angefangen mit seinen Recherchen hat er dann im Jahr 2012 – aus Wissensdurst. "Mich interessiert, wie etwas wurde, was es jetzt ist, und welchen Wandel es dabei durchgemacht hat." Dabei konzentrierte er sich bislang vor allem auf Bauten oder Orte, zu denen er eine persönliche Beziehung hat. Die Straße Wilhelmsaue in Wilmersdorf zum Beispiel.

Da fiel ihm das Haus mit der Nummer 111 auf. Wegen seiner zum Nachbarhaus 111 A völlig unterschiedlichen Architektur. Er trat in Kontakt mit dessen Besitzer, um den Namen des Planers herauszufinden, danach begab er sich ins bezirkliche Bauarchiv, um mehr über Helmut Ollk zu erfahren. Pustekuchen, dort gab es lediglich eine magere Notiz über die Existenz des Architekten. Also forschte, prüfte und recherchierte Roeder und sprach mit Ollks Tochter Christiane. Und jetzt ist es eben raus, warum die Wilhelmsaue 111 eine flache, mosaikartige Fassade hat und was Ollk sonst noch alles geplant hat und umsetzen ließ.

Helmut Ollk wurde 1911 in Schmargendorf geboren. Er lernte zunächst Maurer und studierte später Architektur. Nach dem Zweiten Weltkrieg war er an der Neugründung des Bundes Deutscher Architekten (West)Berlin beteiligt. Er starb 1979, sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Wilmersdorf. „Die Welt“ nannte ihn Ende der 60er-Jahre einen „bekannten Architekten“. Noch fast 40 Jahre nach seinem Tod erinnert sich Klaus-J. Thieme, ein Kollege aus der nachfolgenden Generation, an ihn schon als „einen der ganz großen Architekten" der 50er- bis 70er-Jahre in West-Berlin. "Seine Architektur war beeindruckend, anders als die Masse“, zitiert Roeder Thieme in seinem Text.

Anhand einer von Ehefrau Ollk 1989 aufgestellten Liste „Bauvorhaben 1949-1978“ mit 178 Positionen lässt sich erkennen, daß Helmut Ollk in allen West-Berliner Bezirken und zudem in Oberbayern entworfen hat, sein Schwerpunkt aber in Charlottenburg, Schöneberg und besonders Wilmersdorf lag. Mitte der 60er-Jahre wurde unter Kollegen die Bundesallee daher im Scherz Ollk-Allee genannt, da dort – einschließlich der Joachimst(h)aler Straße – zehn Gebäude von ihm stammen. Vorwiegend war er im Wohnungsbau tätig. Drei seiner Bauten – in Neukölln, Schöneberg und Wilmersdorf – stehen unter Denkmalschutz. Neben seiner baulichen Tätigkeit war Helmut Ollk von 1946 bis 1950 Kommanditist der KBK Kurt Becker KG, deren Zweck die „Konstruktion und der Vertrieb von Metallwaren“ war. Sie stellte Spielzeugfahrzeuge im Druckgussverfahren her.

Was Ollks Gestaltungsart so bemerkenswert gemacht hat? Roeder beschreibt es in seinem Beitrag detailliert und dadurch wird klar, wie akribisch er sich mit dseinen Themen auseinandersetzt. Auf seiner Info-Tour durch die Archive und die Wohnküchen seiner "Informanten" hat er eine für ihn erstaunliche Erfahrung gemacht: "Menschen wie Ollks Tochter vertrauen mir sehr bereitwillig an, was sie wissen und an Bildmaterial haben. Das macht meine Texte lebendiger."

Ein Dutzend seiner Werke hat Roeder über die Seite nebenan.de ins Netz gestellt. Über die Rubrik "An der Geschichte von Wilmersdorf interessiert?" und den jeweiligen Link gelangt der User auf den Blog des Klausenerplatz-Kiezes, dessen Betreiber Roeder gut kennt. Demnächst könnte seine lesenswerte Serie übrigens um ein brandaktuelles Thema bereichert werden: "Ich bin gebeten worden, die Geschichte der Neufertstraße allgemein und insbesondere die der Reithalle aufzuschreiben. Das ist nun mein nächstes Projekt." Michael Roeder recherchiert akribisch die Geschichte seines Bezirks.
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