Gehört Fernost-Kost zum Preußenpark? Illegale Verköstigung spaltet die Gemüter

Die Wiese des Preußenparks kennt manch einer nur noch als Theke für thailändische Spezialitäten. Foto: Thomas Schubert (Foto: Thomas Schubert)
Berlin: Preußenpark |

Wilmersdorf. Ist es ein Großstadtphänomen, das es auszuhalten gilt? Oder sollte man der illegalen Asia-Gastronomie auf der Wiese im Preußenpark den Garaus machen? Die CDU befürwortet letzteres – und hört prompt den Vorwurf, sie sei nicht metropolentauglich.

Auf den Picknickdecken stapeln sich Kühltaschen, unter den Sonnenschirmen schmoren auch schon die Speisen. Und wer nett fragt, darf für 5 Euro teilhaben am Geschmacksereignis, das wohl wirklich einmal als Privatvergnügen der Thai-Community begann. Doch längst steht das Treiben auf der Wiese des Preußenparks in allen wichtigen Reiseführern. Und jüngere Kostgänger, die das kulinarische Abenteuer im Internet bewerten als äßen sie im Restaurant, kennen die Grünfläche gar nicht mehr unter ihrem echten Namen. Sie nennen sie nur noch „Thai Park“.

Aber diese anarchische Art des Schlemmens hat freilich Kritiker. Und in der CDU-Fraktion der BVV finden sie Fürsprecher, die solches „Markttreiben“ gerne stilllegen würden. Das Preußenpark-Ärgernis ist nur ein Phänomen des Missbrauchs von Erholungsflächen und steht in der Liste neben Drogenspritzen-Funden am Bundesplatz und Obdachlosencamps auf benachbarten Wiesen. „Grün oder Fläche?“, lautet da die Frage seitens der CDU.

Neben Licht auch Schatten

„Willkommen in der Großstadt“, antwortet Marc Schulte, als Stadtrat der SPD zuständig für Ordnungsangelegenheiten. Zu einer Metropole wie Berlin gehöre es dazu, dass man neben dem Licht auch die Schatten erkennt. Bei ebenfalls beklagten Spritzenfunden am Bundesplatz ließ Schulte das Grünflächenamt und die Experten von „Fixpunkt“ Abhilfe schaffen. Doch Obdachlose belangen, sofern sie nicht aggressiv betteln, und das Durchgreifen in der Causa „Thai Park“ erweist sich als Ding der Unmöglichkeit. „Es ist sehr schwierig, den gewerbsmäßigen Handel mit Speisen nachzuweisen“, versichert Schulte.

Dazu müsste sich der jeweilige Anbieter gleich mehrmals überführen lassen. Und bislang war eben keiner so dumm, einen Ordnungsamtsmitarbeiter zu bedienen. Jedoch appelliert Schulte an die Kunden, und zwar mit Blick auf die Hygienezustände: „Wäre das ein Restaurantbetrieb – er müsste sofort geschlossen werden.“

Bunte Szene tolerieren

Ist das Brutzeln unter freiem Himmel automatisch schmutzig? Wenn der „Thai-Park“ wirklich unhygienisch wäre, spräche sich das durch negative Bewertungen im Internet schnell herum, meint Grünen-Politiker Roland Prejawa. Und wirbt dafür, die bunte Szene zu tolerieren.

Er erkennt in diesem Stelldichein immerhin als Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses eine „echten Bereicherung für den Bezirk“, warnt vor der Herabwürdigung anderer Kulturen als „unsauber“ und will die gewachsene Tradition in der City West weiter pflegen.

So wie sich der Breitscheidplatz als Sammelort für Fußballfans herausbildet, so sei der Preußenpark ein Ort für Thais. Solche Betrachtungen hält Stadtrat Schulte wiederum für problematisch, weil die gelebte Vielfalt zwar zu begrüßen sei, aber der Handel ohne Steuereinnahmen nicht mit dem Gesetz in Einklang steht.

Angebot des Thailändischen Konsulats

Den Einwand der CDU-Fraktionsvorsitzenden Susanne Klose, die besetzte Wiese gehe erholungswilligen Familien verloren, können die politischen Gegner zwar nicht entkräften. Jedoch erinnert die fraktionslose Grünen-Verordnete Nadia Rouhani an ein Angebot des Thailändischen Konsulats. Hier zeigten sich die Verantwortlichen über die Duldung der Community so dankbar, dass sie vorschlugen, den geschundenen Grünstreifen mitzupflegen. Es brauche nur ein Ja das Bezirks.

tsc
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