1. FC Wilmersdorf scheitert im Pokal bei Türkiyemspor

Der 1. FC Wilmersdorf (rot) musste sich in der 3. Runde des Berliner Pilsner-Pokals Türkiyemspor mit 2:3 geschlagen geben. (Foto: Nittel)

Wilmersdorf. Mit hängenden Köpfen und mächtig Wut im Bauch verließen die Spieler vom 1. FC Wilmersdorf am 3. Oktober den Sportplatz an der Blücherstraße. Die Truppe um Trainer Michael Michels hatte soeben das Spiel der 3. Runde um den Berliner Pilsner-Pokal bei Türkiyemspor denkbar unglücklich mit 2:3 (0:1) verloren.

Das entscheidende Tor für die Gastgeber war dabei erst Sekunden vor dem Abpfiff und noch dazu durch einen unberechtigten Freistoß gefallen. Im Anschluss war es dann zu Rangeleien unter den Spielern gekommen, so dass Coach Michels eingreifen und seine Jungs erst einmal beruhigen musste. Danach suchte er in der Kabine das Gespräch mit Schiedsrichter Stefan Schumacher: "Ich habe ihm gesagt, dass er nicht schlecht gepfiffen hat. Allerdings hat die Verhältnismäßigkeit an diesem Tag überhaupt nicht gestimmt", berichtete Michels eine halbe Stunde nach Spielschluss. So hatte der Referee das Nachtreten eines Türkiyem-Spielers in der ersten Halbzeit und den Kopfstoß eines anderen Akteurs kurz vor Schluss nicht mit einer Roten Karte geahndet. Selbst Türkiyem-Coach Kenan Yildirim gestand nach der Partie ein, dass beide Spieler vom Platz gestellt hätten werden müssen. Zudem hatte der Schiedsrichter auch mit dem Verhalten der Trainer am vergangenen Mittwoch so seine Probleme: Während er Yildirim und Türkiyems Co-Trainer lautstark gestikulierend am Spielfeldrand gewähren ließ, musste Wilmersdorfs Co-Trainer Andreas Weiß bereits nach dem ersten verbalen Ausbruch den Innenraum verlassen. Darüber hinaus vermerkte der Referee dies im Spielberichtsbogen, so dass auf den 1. FC noch eine Strafe vom Verband zukommen wird.

Michels ist aber auch Sportsmann genug, um die Niederlage nicht an der Leistung des Referees fest zu machen: So war der 1. FC in den ersten 20 Minuten und in der kompletten zweiten Halbzeit die klar bessere Mannschaft mit den bedeutend besseren Torchancen. "Wenn man die aber nicht macht, dann kommt es eben, wie es heute gekommen ist. Und dann darf man sich über so eine Niederlage auch nicht beschweren", erklärte der Coach. Unkonzentriertheiten in entscheidenden Situationen und fehlende Körperspannung hätten letztlich maßgeblich zur Niederlage beigetragen. "Vielleicht kam diese Partie für einige Spieler zu früh am Morgen", legte Michels den Finger in die Wunde. Zur Erklärung: die Partie wurde um 11 Uhr angepfiffen. "Ich muss zugeben, dass ich zurzeit ein wenig mit der Mannschaft und ihrer Leistung hadere."

So rangiert der 1. FC nach zehn Spieltagen in der unteren Tabellenhälfte der Berlin-Liga. Und das, nachdem die Wilmersdorfer noch in der Vorsaison als Aufsteiger einen sensationellen dritten Platz belegt hatten. "Mir war klar, dass diese Saison für uns bedeutend schwerer werden wird, weil die Aufstiegseuphorie verflogen ist. Jeder glaubt, ein paar Prozent weniger abliefern zu müssen. Und schon reicht es nicht mehr." Doch Michels, der in der Vergangenheit immer wieder den Charakter seines Teams gelobt hatte, weiß auch, dass seine Jungs das Fußballspielen nicht verlernt haben können. Sie müssen und sollten es nur möglichst bald wieder auf den Platz bringen.


Michael Nittel / min
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