Bar jeder Vernunft bringt "Ein Käfig voller Narren"

Bar-Besitzer Holger Klotzbach (l.), Regisseur Bernd Ottl (2.v.l.) und die Hauptdarsteller Peter Rühring (2.v.r.) und Hannes Fischer (3.v.r.). (Foto: tsc)

Wilmersdorf. Alternde Schwule in der Krise? Die Neufassung des "Käfig voller Narren" kommt zwar als Musical daher, bricht aber mit der heiteren Glätte des Genres.

Die Welt blickt auf die schwulenfeindlichen Winterspiele von Sotschi, man spricht über Lehrer, die ihren Unterricht vor missliebigen Lebensentwürfen schützen wollen. Und in diese Gemengelage platzt die Wiedergeburt des Travestie-Hits "Ein Käfig voller Narren". Am 1. März feiert die Bar jeder Vernunft mit dem neuen Stück Premiere, zeigt Gästen den Kampf der Gesellschaft gegen das Nichtbürgerliche anhand des französischen Klassikers. "La Cage aux Folles", der Originaltitel, überschreibt in diesem Fall ein Musical - aber keine "große, glitzernde Show", wie Regisseur Bernd Mottl versichert. Er will der Lebenswirklichkeit nahe sein, und verspricht: "Hier fliegen die Schweißperlen in den Saal."

Die Bar jeder Vernunft, schon von Natur aus kuschelig eng, will das Publikum tatsächlich einschließen. Bei den Vorstellungen hockt man im Vogelkäfig, sieht vor sich die Drehbühne wirbeln, erlebt ein Wechselspiel mit 50 Perücken, ausgeführt in handverlesener Besetzung. "Wir hatten beim Casting gefühlte 500 Kandidaten", sagt Mottl. Denn Musikalität sei bei der Schauspielausbildung eine vernachlässigte Disziplin. "Nur Wunschkinder" habe man engagiert, sagt der künstlerische Leiter Lutz Deisinger zum Aufgebot ohne große Namen. Peter Rühring spielt den Georges, Hannes Fischer füllt die Rolle des Zaza mit Leben.

Auf Gesang will Mottl trotz seiner stimmbegabten Akteure nicht zu sehr bauen. Eher schon auf einen "gut gebauten Theaterplot". Noch stehen der Regisseur und sein Team am Anfang der Proben, nachdem die Rollenbesetzung viele Monate verschlang.

Mussten die 80er-Jahre-Produktionen des Klassikers noch überzeichnete Bilder des Schwulen transportieren, setzt Mottl auf "einen anderen Pfiff". Mit dem Schrill-Sein sei man im Berlin der 2010er-Jahre durch. "Es ist nur noch eine Farbe das Ganzen", meint der Strippenzieher. Seine Idee war es, die Krise um Zaza und Georges im gesetzten Alter anzusiedeln, nach 30 Jahren Liebe. "Da ist eine größere Fallhöhe gegeben. Da steht mehr auf der Kippe."

Gelingt dieses Konzept, könnte sich der "Käfig voller Narren" im Übrigen noch merklich ausdehnen - durch einen Wechsel ins Tipi am Kanzleramt.

"Ein Käfig voller Narren" in der Bar jeder Vernunft, Schaperstraße 24, feiert am 1. März Premiere und wird bis zum 31. Mai gespielt. Karten unter 883 15 82 sowie auf www.bar-jeder-vernunft.de.

Thomas Schubert / tsc
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