Bundesplatz-Initiative reißt Schmuddelwände ein

Wolfgang Severin (mit Brille) zertrümmert mit der SPD-Wahlkreisabgeodneten Franziska Becker (r.) und dem CDU-Fraktionschef Hans Joachim Fenske (2.v.r.) eine Wand. (Foto: Schubert)

Wilmersdorf. Einstmals als Zierde gedacht, zuletzt nur noch Pinkelecken und Graffiti-Träger: Die unliebsamen Backstein-Wände aus den 60er-Jahren zerbröselten Bürger nun mit Presslufthämmern. Wird der Bundesplatz dadurch wieder gastlich?

"Alles Gute zum Mauerfall!" Der erste Glückwunsch vom östlichen Bundesplatz ließ nicht lange auf sich warten - er kam von Martin Erlenmaier, dem Betreiber des dort ansässigen Kinos. Und nicht nur für ihn wirkte der Abriss an einem Tag, der eigentlich an die Errichtung des Walls durch Berlins gemahnt, wie eine Befreiung."Im Westen ist es urban, die Osthälfte wirkt abgehängt", nennt Wolfgang Severin die Krux am Platz. Er verbindet nicht. Er trennt. Als Vorsitzender einer 160 Mitglieder starken Bürgerinitiative arbeitet Severin in kleinen Schritten daran, dass dieser Ort Anwohnern wieder als Verweilstätte dient und nicht mehr als Bühne des motorisierten Verkehr. Wer hier derzeit gerne ausspannt, davon legen Spritzen und Bierflaschen Zeugnis ab. In dieser Hinsicht dienten die Backsteinwände eher als Deckung denn als Zierde. Noch zwei Wochen wird es dauern, bis die Gehilfen vom Oberstufenzentrum Knobelsdorff-Schule und der BSR die Planierung beendet haben.

"Damit der Bundesplatz für Familien erlebbar wird, haben wir bisher 1100 Stunden ehrenamtliche Arbeit geleistet", verweist Severin auf geleistete Mühen. Tatsächlich prägen jetzt vielfarbige Blüteninseln das Bild - zuvor gab es nur "Begrünung der untersten Pflegestufe".

Doch die wesentlichen Probleme, das weiß der Vorsitzende, wird man durch solche Retuschen nicht lösen können. Denn auch ein kleiner Mauerfall ändert nichts daran, dass der ehemals als Kaiserplatz bekannte Kiezmittelpunkt beidseitig von stark befahrenen Straßen umklammert wird und vom Tunnel der Bundesallee untergraben. Wie man dessen Einmündung, die als betonierte Narbe den Platz zerschneidet, kaschieren kann, darüber haben sich schon Architekturstudenten den Kopf zerbrochen. Ob man sie nun überdacht oder überbrückt, das müsste die Landespolitik beurteilen. Anders als auf Bezirksebene fanden die Sorgen mit der Wilmersdorfer Schmuddelecke hier bislang wenig Gehör. Severin hat keine Illusionen: "Eine Lösung wird es in dieser Legislaturperiode nicht geben. Und auch nicht in der nächsten."


Thomas Schubert / tsc
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