Eltern protestieren gegen eine bürokratische Verkehrspolitik

Wilmersdorf. "Am meisten empört mich an der Antwort des Stadtrates", sagt die Vorsitzende der Gesamtelternvertretung der Birger-Forell-Schule, Marie-Antoinette Gross, "dass er den Kindern vorwirft, die Straße da zu überqueren, wo es ihnen am bequemsten ist."

Das tun sie gewiss nicht. Denn in der Koblenzer Straße 22-24, wo sich die Schule befindet, können sie kaum die Straße überqueren, weil dort die Autos so dicht geparkt sind, dass kein Fetzen Papier mehr, geschweige denn ein Kinderbein durchpasst. Die Kinder sind gehalten, schon bei der Überquerung der Hildegardstraße gleich die richtige Straßenseite zu wählen. Die Hildegardstraße ist vor langer Zeit einmal eine ruhige Anwohnerstraße gewesen. Die Verkehrsströme verlagern sich jedoch. "So wird die Hildegardstraße", so Marie-Antoinette Gross, "zur Ausweichstrecke, wenn die Autobahn und die Detmolder Straße verstopft sind." Diese Beobachtung teilt auch Danuta Friesel. Erst am 5. Dezember konnte sie im letzten Moment verhindern, dass ein ausparkendes Fahrzeug ihre Tochter überrollt. "Das wilde Parken hat ein unhaltbares Ausmaß erreicht", meint sie. "Wenn die Kinder eine Möglichkeit hätten, die Straße sicher zu überqueren, so würden sie diese mit Sicherheit nutzen."

Die Eltern der Schule und von neun benachbarten Kitas haben sich im März dieses Jahres an die Bezirksverordnetenversammlung und den Verkehrsstadtrat gewandt - mit der Forderung, in Höhe Weimarische Straße einen sicheren Übergang über die Hildegardstraße einzurichten. Das Amt teilte den Eltern daraufhin mit: "Querungen in der Hildegardstraße sind jederzeit gefahrlos möglich, Höhe Weimarische Straße ist die Sichtbeziehung für die Querenden optimal."

Schulleiterin Ulrike Banach kennt diese Argumente. "Die Verwaltung ignoriert, dass Kinder unberechenbar sind. Kinder können nicht über Autos schauen, und sie rennen irgendwann los." Sie fordert eine Kontrolle der Einhaltung der bestehenden Vorschriften durch die Behörden und mit einem Verkehrszeichen den Hinweis auf die Schulkinder. Die Eltern wollen demnächst mit Plakaten, Fahrradkorsos und Unterschriften die Politiker an ihre Pflichten zum Schutz der Kinder erinnern.


Frank Wecker / FW
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