Filmfestspiele in der Seniorenresidenz Parkalterssitz City

Wilmersdorf. Kinospektakel frei Haus: Die Pflegeeinrichtung am Haus der Berliner Festspiele lässt ihre Bewohner am Berlinale-Flair teilhaben. Manche von ihnen müssen nur aus dem Fenster schauen, um einen Blick auf den roten Teppich zu erhaschen.

Angelina Jolie wollten sie sehen, verharrten vor dem Festspielhaus in der Schaperstraße vom Vormittag an den ganzen Tag. So sind Fans. Franziska Schulbin und Jürgen Baron von Lepel jedoch saßen entspannt auf dem Bett und überblickte die Lage besser als alle anderen. "Mein Zimmer liegt im fünften Stock, und ich schaue genau auf das Spektakel, wenn ich im Bett liege", erzählt von Lepel. Bei diesem besonderen Glücksfall vor zwei Jahren genoss er an der Seite Franziska Schulbins, einer pensionierten Ärztin, ein Glas Sekt. Jolies Partner Brad Pitt, das können beide bezeugen, stand damals im Abseits. "Er fand kaum Beachtung", wundert sich der 70-jährige Baron.

In der Seniorenresidenz Parkalterssitz City des Pflegeheimbetreibers Familie Franke ist man von der Berlinale auch in diesen Tagen nur wenige Meter Luftlinie entfernt. Grund genug, den Trubel ins Haus zu holen. So veranstaltet die Pflegeresidenz am Donnerstag, 13. Februar, um 15.30 Uhr ihre eigene Filmvorführung. Und setzt dabei auf den fröhlichen Klassiker "Manche mögen’s heiß". Zugegen sind dann auch Kinder von den Sportfreunden Charlottenburg-Wilmersdorf, mit denen das Haus eine Partnerschaft unterhält. "Wir haben Bewohner, die wegen Demenz nicht mehr so gut orientiert sind. Denen wollen wir Spaß bieten und die Sorgen nehmen", erzählt Leiterin Ines Voigt. Die leicht nostalgische Filmvorführung wirkt sich erfahrungsgemäß günstig aus. "Das Langzeitgedächtnis dieser Menschen funktioniert ja noch einwandfrei", sagt Voigt, "Da werden Erinnerungen wach an die gute alte Zeit."

Was die Bewohner mit der Berlinale verbindet? "In meinem Fall nicht so viel, weil ich die meiste Zeit nicht da war", erzählt Franziska Schulbin. Als leitende Betriebsärztin der Post in Düsseldorf war ihre Verbindung zum Schaulaufen der Stars an der Spree aber immerhin über die Presse gegeben. Damals wie heute bereiten der 88-Jährigen bewegte Bilder vor allem dann Freude, wenn sie anspruchsvoll produziert sind. "Am liebsten mag ich Filme, die richtige Lebenshandlungen zeigen, ob traurig oder fröhlich. Und Filme, bei denen man etwas lernt", erzählt Schulbin.

Baron von Lepel war der Berlinale schon früher nahe, denn als Innenarchitekt hatte er seinen Arbeitsplatz in Sichtweite des Zoopalasts in der Budapester Straße. Und auch Angelina Jolie ist nicht sein erster Filmstar gewesen: Bei einem Aufenthalt in Saint Tropez begegnete ihm keine Geringere als Brigitte Bardot. "Sie geht dort immer auf dem Markt einkaufen für ihre Hunde", weiß der 70-Jährige. Seine Leidenschaft gehört Horror- und Science-Fiction-Streifen. Dergleichen fesselt ihn manchmal die ganze Nacht. Und mit Sicherheit hält Jürgen Baron von Lepel gerade wieder Ausschau. Die Zielperson in diesem Jahr: George Clooney.


Thomas Schubert / tsc
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