Michael Roeder: Kommission verzögert Umsetzung

Der Historiker Michael Roeder fordert eine schnelle Entscheidung in Sachen Gedenktafel für den ermordeten Deserteur. (Foto: Martin)

Wilmersdorf. Seit einem Jahr fordert der Historiker Michael Roeder eine Gedenktafel für einen in den letzten Kriegstagen 1945 von den Nazis ermordeten jungen Deserteur. Unterstützung gibt es von Politikern wie Geschichtsforschenden - allerdings hapere es bei der zuständigen Kommission mit der Umsetzung, so die Kritik Roeders.

Zum Hintergrund: Der namentlich nicht bekannte Deserteur, laut Zeitzeugen etwa 17 Jahre alt, hatte sich Ende April 1945 in einem Keller in der Berliner Straße - zwischen Uhland- und Fechnerstraße - versteckt. Die SS fand ihn und erhängte ihn vor dem Haus Uhlandstraße 103. Um den Hals trug er ein Schild mit der Aufschrift "Ich war zu feige, für Deutschland zu kämpfen." Zur Abschreckung blieb die Leiche mehrere Tage hängen. Anwohner legten bis in die 50er-Jahre an dieser Stelle Blumen nieder und erinnerten mit einem beschrifteten Pappkarton an den Mord.

Michael Roeder entdeckte die Geschichte in einer 1983 vom Senat herausgegebenen Broschüre zum Alltag und Widerstand im Faschismus in Wilmersdorf. Seit Juni 2013 setzt sich der Historiker für die Gedenktafel ein, und er findet immer mehr Befürworter: Unter anderem Bürgermeister Reinhard Naumann, den Charlottenburg-Wilmersdorfer Bundestagsabgeordneten Klaus-Dieter Gröhler (CDU), das Kinder- und Jugendparlament Charlottenburg-Wilmersdorf, die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, die evangelische Auen-Kirchengemeinde Wilmersdorf, die Seniorenvertretung des Bezirks.

Die Gedenktafelkommission Charlottenburg-Wilmersdorf, besetzt mit Bezirksverordneten aller Fraktionen sowie Vertretern des Heimatvereins und des Heimatmuseums, hat über die Aufstellung der Tafel zu entscheiden - und prüft seit Monaten. "Sehr viele Kriterien müssen bedacht werden, schließlich soll die Tafel auf öffentlichem Straßenland stehen", heißt es dort. Solch ein Vorgang dauere eben unter Umständen recht lange.

Zu lange, findet Roeder. Diese Argumente hätte er schon im Januar gehört und wirft der Kommission Verzögerungstaktik vor. "Wenn sogar Persönlichkeiten wie Professor Reinhard Rürup, der jahrelang Leiter der Gedenkstätte ,Topographie des Terrors‘, sich für das Vorhaben einsetzen, verstehe ich die Bedenken nicht." Die geforderte Gedenktafel für den Deserteur könnte stellvertretend für ähnliche Schicksale sein, die es damals sehr oft gab, so Roeder. Zustimmung und Sympathiebekundungen sind ihm nicht genug: "Es ist jetzt an der Zeit, den Ermordeten zu ehren." Bisher hat er über 600 Euro und mehr als 300 Unterschriften gesammelt. Die sollen jetzt der Kommission vorgelegt werden, zusammen mit einem Begleitschreiben. Unterstützer sucht Roeder weiter, ebenso überlegt er, Kopien aus der Broschüre von 1983 im Kiez aufzuhängen: Das Foto zeigt den Baum, an dem Blumen für den Deserteur niedergelegt wurden.

Wer sich für die Initiative interessiert, schreibt an: uhlandstrasse1945@gmx.de.

Ulrike Martin / uma
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