Nahe dem Rüdesheimer Platz gehen "Vorlesewesen" um

Eine gute Truppe: die "Vorlesewesen" (v.l.): Regina Hesse, Inge Siegel, Beppo Pohlmann, Dirk Lausch und Doris Machui. (Foto: KEN)

Wilmersdorf. Er schrieb den größten Hit der "Gebrüder Blattschuss": die "Kreuzberger Nächte". Der Liedermacher, Komponist und Texter hat viel erlebt. "Meine Frau sagt, ich soll meine Erinnerungen aufschreiben. Und irgendwann muss ich die dann vorlesen." Deshalb ist Beppo Pohlmann zu den "Vorlesewesen" gestoßen.

Beim ersten Mal, in der Weihnachtszeit, war der Erfolg so groß, dass der Vorleser, Stimmspieler und Schausprecher Dirk Lausch beschloss, einen zweiten Durchgang seines Workshops anzubieten. Sechs (vor-)lesebegeisterte Damen und ein Herr - Beppo Pohlmann - bereiten sich zurzeit im Internationalen Begegnungszentrum, Wiesbadener Straße 18, auf ihren nächsten Auftritt am Sonntag, 21. April, vor."Wir sind eine gute Truppe", sagt Inge Siegel. Die gebürtige Schwäbin ist seit drei Jahren in Rente. Sie hat einen Schreibkurs absolviert, verfasst Prosa und Gedichte und will ihre Texte einmal selbst vortragen. "Während meines stressigen Jobs war das nie möglich."

Doris Machui schreibt zwar nichts Eigenes, möchte aber den Senioren im Altenheim, in dem sie arbeitet, ein noch besseres Vorlesevergnügen bereiten. Regina Hesse engagiert sich ehrenamtlich auf der Domäne Dahlem. Sie muss viel sprechen. "Ich möchte lernen, besser zu betonen." Schon ihren Kindern hat sie gerne vorgelesen und tut das jetzt mit großer Freude ihren Enkeln. Und dann verrät Regina Hesse: "Mein Hobby ist das Dichten."

Schließlich gehört noch Annemarie Krone zur Runde an diesem Montag. Auch sie ist mit Leib und Seele Autorin, hat Kindergeschichten geschrieben und hat zuletzt "Balkonbriefe" verfasst, in denen sie sich mit ihrer Nachbarin und Freundin über Erlebnisse "draußen" austauscht.

Dirk Lausch ist kein strenger Lehrmeister. Trotzdem versteht es der charmante 45-Jährige zu vermitteln, was Vorlesen bedeutet: nicht nur die fehlerfreie Wiedergabe von Texten, sondern Bilder im Kopf der Zuhörer entstehen zu lassen, Gedanken und Gefühle eines Autors hörbar zu machen und Figuren mit Leben zu erfüllen. Dazu muss man sich trauen, langsam und laut zu lesen, auf Satzzeichen und die Betonung der einzelnen Worte zu achten. "Manchmal hat das schon wissenschaftlichen Charakter", sagt Dirk Lausch.

Für ihre Lesung im April hat die Gruppe die Texte bereits ausgesucht, eben selbst Gedichtetes, Zeitgeistiges von Elke Heidenreich, Bernd Schroeder oder Simone Ryser und dazu große Literatur: von Maxim Gorki, Erich Kästner, Kurt Tucholsky.

Am Schluss gibt es noch eine Überraschung: die Welturaufführung von Beppo Pohlmanns neuestem Song. "Edeltraut Vogelsang". Das Lied über seine Jugendliebe wird ein Hit. Garantiert.

Alle Infos zu den "Vorlesewesen" bei Dirk Lausch, Kommunikation und Literaturveranstaltungen, 0175/742 32 01.

Karen Noetzel / KEN
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