Mieter empört: Degewo will Müllabsauganlage schließen

Sieht ganz herkömmlich aus: Sonja Schulz zeigt eine Müllklappe an einem Anlagenschacht. (Foto: Schilp)

Wilmersdorf. Das ist einmalig in Berlin: Die Bewohner der Autobahnüberbauung Schlangenbader Straße (kurz: Schlange) entsorgen ihren Abfall mit einer pneumatischen Müllabsauganlage. Doch die soll nächstes Jahr geschlossen werden. Einige Mieter laufen dagegen Sturm.

Von außen unterscheidet sich das technische Wunderwerk nicht von einem normalen Müllschlucker: auf den einzelnen Etagen des Riesenhauses sind schlichte Klappen, durch die man seinen Restmüll wirft. Doch der landet dann in einem 700 Meter langen Rohrsystem und wird zu einer zentralen Station gesaugt, dort komprimiert und von der BSR abtransportiert. Für die Mieter ist das nicht nur bequem, sondern auch geräuscharm. Denn auch heute sind Entsorgungsfahrzeuge auf den Wegen der Wohnanlage unterwegs, aber nur, um Verpackungen, Glas und Papier - diese Stoffe werden getrennt gesammelt - aus dem Gebäude zu holen.

"Die Wohnungsgesellschaft Degewo hat die Anlage auf Verschleiß gefahren und nun will sie nichts in die Sanierung investieren", kritisiert Eberhard Reinacher von der "Mieterinitiative Schlange". Diesen Vorwurf weist Degewo-Sprecher Lutz Ackermann zurück: "Die Anlage war für 30 Jahre ausgelegt, die waren bereits 2008 verstrichen. Seitdem ist der Aufwand für die Wartung unverhältnismäßig hoch - und damit auch die Betriebskosten für die Mieter."

Schon 2007 wollte die Degewo die Anlage schließen, das scheiterte am Mieterprotest. Damals habe die Wohnungsgesellschaft im Rahmen eines Pilotprojekts in einem Haus die Schächte dichtgemacht und den Müll konventionell entsorgt, erzählt Reinacher. Einen Nachweis, dass so tatsächlich Geld gespart worden ist, sei die Degewo jedoch schuldig geblieben.

Ackermann verspricht, dass den Bewohnern noch in diesem Monat das neue Müllkonzept vorgestellt werde. Zu Einzelheiten will er sich noch nicht äußern. Sonja Scholz von der Mieterinitiative glaubt zu wissen, was geplant ist. "Die Fahrradräume im Erdgeschoss sollen zu Müllstationen gemacht werden", sagt sie. Sie befürchtet Abgase, Lkw-Lärm, Gestank, Ratten und Ungeziefer. Außerdem werde das Konzept des Architekten Georg Heinrichs zunichte gemacht, der den Außenbereich der Anlage ausdrücklich ruhig und sicher halten wollte. Die Mieterinitiative hat den 88-Jährigen übrigens aufgespürt: "Er war recht betrübt über die Pläne. Wir finden, dass die Degewo sein Urheberrecht verletzt", so Sonja Scholz.


Susanne Schilp / susch
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