Ultralangstreckenläufer Niels Bubel: "Der Mensch ist zum Laufen gemacht"

Der 27-jährige Niels Bubel träumt davon, irgendwann die 100-Kilometer-Distanz zu absolvieren und diese dann unter 6:40 Stunden zu laufen. (Foto: Nittel)

Wilmersdorf. Niels Bubel ist zurzeit einer der besten Ultralangstreckenläufer Deutschlands. Das bewies der 27-Jährige, der für den Verein Die Laufpartner aus Wilmersdorf startet, zuletzt am 28. Februar, als er bei den Titelkämpfen der Deutschen Ultramarathon-Vereinigung im 50-Kilometer-Lauf nicht nur seinen Titel aus dem Vorjahr verteidigte, sondern in 2:55:16 Stunden eine Jahresweltbestzeit aufgestellt und damit die Norm für die Weltmeisterschaft im November in Doha erfüllt hatte.

Bubels sportliche Entwicklung ist bemerkenswert: Erst mit 18 Jahren lief er seinen ersten Marathon - und das, ohne auch nur einmal dafür trainiert zu haben. Der Hintergrund: ein Familienduell mit seinem Vater. Bubel erreichte beim Berlin-Marathon am 25. September 2005 nach 3:48:30 Stunden und damit vor seinem Vater das Ziel. "Seit diesem Tag weiß ich, dass es sich immer lohnt zu kämpfen - egal, wie schwer der Weg ist, den man gehen muss." Seine Marathon-Bestzeit, die er bei der Deutschen Meisterschaft 2014 in München aufstellte, liegt heute übrigens bei 2:25:14 Stunden.

Im Alter von 20 Jahren begann Bubel mit dem regelmäßigen Training. Heute absolviert der Student der Medieninformatik an der Beuth Hochschule für Technik in Wedding zehn bis zwölf Trainingseinheiten in der Woche. Vor sieben Jahren stellte Bubel, der vor Kurzem mit seiner Freundin in seinen Heimatbezirk Zehlendorf gezogen ist, fest, dass ihn Extreme reizen und dass die klassischen Distanzen im Stadion bis zu den 10.000 Metern nicht wirklich seine Welt sind. So lief er bevorzugt Halbmarathon und Marathon-Distanzen, agierte beim Berlin-Marathon auch schon mal als Tempomacher, bevor ihm vor vier Jahren das Buch "Laufen" des Läufers und Biologen Bernd Heinrich in die Hände fiel. Von da an war Bubel klar, sein Training auf die Ultradistanzen jenseits des Marathons auszurichten: "Der Mensch ist zum Laufen gemacht", versucht Bubel seine Leidenschaft zu erklären. "Seit ich dieses Buch gelesen habe, träume ich davon, die 100 Kilometer unter 6:40 Stunden zu laufen und Deutschlands bester Ultra-Marathonläufer zu werden." Das wäre ein Schnitt von genau vier Minuten pro Kilometer, eine durchschnittliche Geschwindigkeit von rund 15 Kilometern pro Stunde. Die nächsten Ziele aber sind zunächst der Ober-Elbe-Marathon am 26. April, bei dem Bubel den Streckenrekord von 2:25 Stunden knacken möchte, und die WM in Doha, so er denn vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nominiert wird. "Ich musste in Marburg unter drei Stunden laufen und habe diese Norm erfüllt. Formell läuft die Nominierungsfrist bis August. Falls bis dahin aber jemand schneller laufen sollte, könnte es sein, dass der DLV nur diesen Läufer nominieren wird."

Übrigens: Als das Gespräch mit Bubel an einem nasskalten Tag am Rüdesheimer Platz zu Ende gegangen war, hätte vermutlich jeder andere den öffentlichen Nahverkehr gewählt, um weiterzukommen. Nicht so aber Niels Bubel, der es vorzog, nach Hause zu laufen - was sonst.


Michael Nittel / min
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Volker Liebscher aus Lichtenberg | 23.03.2015 | 16:53  
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