Der Bonhoeffer-Friedhof soll erforscht werden

Wittenau. Auf dem ehemaligen Friedhof der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik könnten nach neusten Erkenntnissen mehrere 1000 Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft liegen. In den kommenden Jahren soll dort ein Gedenkort entstehen.

Einstimmig haben die Bezirksverordneten am 13. Mai einen Antrag von Bündnis 90/Die Grünen angenommen, nach dem die Geschichte des Friedhofes erforscht und schließlich dort ein Gedenkort eingerichtet werden soll. Zugleich wird das Bezirksamt aufgefordert, an den Eingängen zum Gelände der ehemaligen Klinik schon jetzt Hinweistafeln auf den Friedhof anzubringen, da die wissenschaftliche Ausarbeitung einen längeren Zeitraum in Anspruch nehmen wird.

Bisher ist von dem Friedhof auf dem Gelände kaum etwas zu erahnen. Nur die Anordnung von Zäunen sowie Erdhügel lassen erahnen, dass dort einmal Menschen bestattet wurden. Die Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik, die aus den Wittenauer Heilanstalten hervorging, spielte eine große Rolle im sogenannten Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten. Für diese galten Menschen mit Behinderungen, aber auch mit psychischen Erkrankungen als "lebensunwert". Sie wurden zwangssterilisiert, um Fortpflanzung zu verhindern, oder umgebracht.

Ausstellung zu Verbrechen

Das Thema wird seit Jahren öffentlich dargestellt in der Ausstellung "Totgeschwiegen", die montags bis freitags von 10 bis 13 Uhr sowie sonntags von 13 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt auf dem Klinikgelände zu sehen ist (weitere Informationen unter 0160/623 81 03). Die Ausstellung, die 1988 erstmalig gezeigt und 20 Jahre später vollständig überarbeitet wurde, geht den nationalsozialistischen Verbrechen am Beispiel einzelner Schicksale nach.

Über den Friedhof selbst ist dagegen bisher wenig bekannt. Dessen Erforschung wird aber umso dringlicher angesichts von Plänen, das Gelände an Investoren zu verkaufen. Der Klinikkonzern Vivantes hat sich dort weitgehend zurückgezogen. Genutzt wird es noch vom Krankenhaus des Maßregelvollzugs sowie von einem großen Flüchtlingsheim.


Christian Schindler / CS
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