Das Leben der Alliierten in Berlin

Sowjetische Soldaten im Volkspark Friedrichshain im Jahr 1983. (Foto: Copyright: Landesarchiv Berlin, Günter Schneider, F Rep. 290, Nr. 280 196)

Wittenau. Noch bis Ende Februar kommenden Jahres gewährt das Landesarchiv Berlin "Sektoren(ein)blicke" in das Leben von Angehörigen der Alliierten in Berlin.

Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zur Wiedervereinigung 1990 war Berlin geprägt von der Präsenz der drei West-Alliierten England, Frankreich und der USA sowie der Sowjetunion im Ost-Teil der Stadt. Im Auftrag der ehemaligen Landesbildstelle Berlin, die Aufnahmen mit Berlin-Bezug sammelte, machten Fotografen auch die Vertreter der ehemaligen Besatzungsmächte zu ihrem Motiv.Eine der Fotografinnen, die 1977 einen solchen Auftrag erhielt, war Nicola Galliner. 1950 in London geboren, kam sie 1969 nach Berlin. Heute leitet sie die Jüdische Volkshochschule der Jüdischen Gemeinde zu Berlin und das "Jewish Film Festival". Einer der von ihr Porträtierten war ein britischer Militärpolizist, der ständig mit dem Motorrad durch die Stadt fuhr - eine Zeit lang mit Nicola Galliner im Schlepptau.

Galliner zeigte wie viele anderer ihrer Kolleginnen, dass die in Berlin stationierten Soldaten und ihre Angehörigen in zwei Bereichen lebten: in der besetzten Stadt, in der sie ihre Nation und deren Interessen zu vertreten hatten, und in der "Alliierten-Insel", den beinahe eigenständigen Stadtteilen, in denen sie lebten. Die Frau, die Galliner 1977 in der Cité Foch an einem Kiosk mit ausschließlich französischen Zeitungen ablichtete, könnte sich genauso gut in Paris über das Weltgeschehen informieren. Typisch für seine Nation scheint auch der amerikanische Soldat zu sein, den sie im selben Jahr bei einer Übung im Grunewald traf - er erfrischt sich aus einer Cola-Dose.

Die Begegnungen zwischen Alliierten und Berliner blieben zwiespältig. Szenen vom Deutsch-Französischen Volksfest, das noch heute auf dem zentralen Festplatz am Kurt-Schumacher-Damm stattfindet, zeigen, wie man mit populären Veranstaltungen aufeinander zuging. Alltägliche Kontakte waren jedoch eher selten.

1964 traf Heinz Wunnicke amerikanische Soldaten in den Lichterfelder "McNair Barracks", die Spielzeug für bedürftige Kinder reparierten - die Soldaten sind unter sich, lang anhaltende Freundschaften zwischen den Kindern und den Amerikanern sind daraus wohl nicht entstanden.

Und Günter Schneider fotografierte 1983 sowjetische Soldaten beim Pressefest des "Neuen Deutschland". Sie stehen im Volkspark Friedrichshain an einem Baum, an dem eine Berlinerin sitzt. Auch hier ist klar: Enge Kontakte sehen anders aus.

Die Ausstellung "Sektoren(ein)blicke - Alliiertes Leben in West- und Ost-Berlin" ist bis zum 28. Februar 2013 montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr im Landesarchiv Berlin, Eichborndamm 115-121, zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Christian Schindler / CS
0
Einstellungen für Weiterempfehlungen
 auf anderen WebseitenSenden